Universitätsbibliothek Freiburg i. Br., ZG 1563
Hohenzollerischer Geschichtsverein [Hrsg.]
Zeitschrift für Hohenzollerische Geschichte
34(120).1998
Seite: 183
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http://dl.ub.uni-freiburg.de/diglit/zhg1998/0197
Johann Baptist Molitor und Johannes Diebold - Zwei caecilianische Kirchenmusiker aus Hohenzollern

radezu vorbildliche Musik, und folgerichtig finden sich viele von ihnen im »Vereins-Cata-
log«102, wo sie in aller Regel recht positiv besprochen sind103. Diebold versuchte, ähnlich wie
Johann Baptist Molitor, vor allem leicht ausführbare, auf die alltägliche kirchenmusikalische
Praxis zugeschnittene Werke zu schreiben. Da er jedoch, bei aller Beherrschung des satztechnischen
Handwerks, nur selten über die oft hölzerne Nachahmung des als Ideal aller Kirchenmusik
geltenden Palestrinastils hinauskommt104 und zudem hin und wieder die Alten in einem
Punkte imitirtder zu klanglichen Unschönheiten gerechnet werden muß, nämlich in der zu
raschen Aufeinanderfolge zu weit abstehender Akkorde105, waren seine Werke selbst innerhalb
des Caecilianismus nicht von überragender Bedeutung.

Gelegentliche, oftmals unvermittelte und unmotivierte »Einbrüche« romantisch angehauchter
Harmonik in antikisierendem Kontext führen zu einem »Eindruck stilistischer
Brüchigkeit«106 in Diebolds Musik, und den Rückzug ins »kirchenmusikalische Ghetto«, den
Wilhelm Tittel für seine Orgelmusik konstatiert, kann man ebenso auch in seiner kirchlichen
Vokalmusik finden107. Maßgebend war für ihn der Anspruch seiner Musik, Gebrauchsmusik
zu sein, und die Rücksicht auf die praktische Brauchbarkeit seiner Werke verführte ihn bisweilen
dazu, fast unanständig leicht zu schreiben108.

Zu einem guten Teil rührt die stilistische Brüchigkeit von Diebolds Musik sicherlich auch daher
, daß es, wie er selbst bedauernd feststellt, keine Einigung in den Principienfragen der Kirchenmusik
gebe, die doch die Vorbedingung fernem gedeihlichen Wirkens des Cäcilienvereins
sei109. Solange ein verknöcherter Rigorist alles verketzern könne, was nicht unter dem >Nimbus
des Altertümlichen und unter der Fahne der Diatonik< segle, alles Neuere, auch das Beste angreife
und Komponisten und Chorleiter vor Vierklängen, Chromatik und übermäßigen Quarten
und Quinten als Teufeln, die auch in unserm Cäcilienvereine umhergehen wie brüllende
Löwen, suchend, wen sie verschlingen, warne, seien die Bestrebungen des Caecilianismus fragwürdig
, sein Erfolg zweifelhaft110. Ihm selbst freilich gelang der schwierige Kompromiß zwischen
liturgischer Korrektheit der Musik, Aufrechterhaltung des »A-cappella-Ideals« und Einbeziehung
moderner Tonsprache nur sehr unvollständig. Ahnlich wie für viele andere Caeci-
lianer scheint auch für Diebold die nicht allzusehr überspitzte Feststellung zu gelten, daß
»erhöhte Kunstfertigkeit zunächst einmal im Verdacht steht, von der Andacht abzuhalten
daß Gott nicht mehr in der Kunst oder durch sie verehrt wird, sondern durch exakte Einhaltung
liturgischer Regeln, wobei die innermusikalische Qualität der Musik zweitrangig wird«111.

In Freiburg wirkte Diebold von Beginn seiner Tätigkeit an im Sinne Witts und konnte
schnell erste Erfolge erzielen. Im Jahr 1872 erhielt er wegen seiner erfolgreiche[n] Bemühungen
um Emporbringung des s[o]g[enannten] deutschen Volksgesangs eine Gehaltserhöhung112,
und bereits knapp ein Jahr später wurde sein Gehalt noch einmal erhöht, weil er sich durch
Gründung einer Chorgesangschule... ein wesentliches Verdienst erworben hatte113.

102 Vgl. Anm. 60.

103 Tittel (wie Anm. 86), S. 26-28.

104 Vgl. Weissenbäck (wie Anm. 21), S. 85, Art. Diebold, Johann: »D. war ein sehr fruchtbarer K[ir-
chenJKomp. und erfolgreicher Nachahmer des klass. A-cappella-Stils.«

105 Vereins-Catalog (wie Anm. 60), S. 213, Nr. 512, Referat von Witt.

106 Tittel (wie Anm. 86), S. 64.

107 Vgl. ebd. S. 59,64.

108 Vgl. Johannes Diebold: Missa »Adoro te devote« op. 18. Vorwort. Hier zitiert nach der 3. Auflage,
Freiburg 1901.

109 Johannes Diebold: Standpunkt eines kirchenmusikalischen Rigoristen. In: Der katholische Kirchensänger
, 3. Jahrgang 1890, S. 33-35.

110 Vgl. ebd. S. 34-35.

111 Tittel (wie Anm. 86), S. 59.

112 EAF, O 3092, Beschluß des Katholischen Oberstiftungsrates, 8. 11. 1872.

113 Ebd., Beschluß des Katholischen Oberstiftungsrates, 2. 9. 1873.

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