Universitätsbibliothek Freiburg i. Br., ZG 1563
Hohenzollerischer Geschichtsverein [Hrsg.]
Zeitschrift für Hohenzollerische Geschichte
34(120).1998
Seite: 191
(PDF, 85 MB)
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http://dl.ub.uni-freiburg.de/diglit/zhg1998/0205
Die Entwicklung der NSDAP in Meßkirch bis 1934

haupt, seit 1906 im Amt und von 1909-1913 für die Liberalen im badischen Landtag, legte aus
gesundheitlichen Gründen sein Amt zum 31.8.1930 nieder. Da der Bürgermeister durch die
Stimmen der Gemeinderäte und Gemeindeverordneten gewählt wurde, schlössen sich die
Meßkircher Demokraten, Liberalen und Sozialdemokraten zu einem Wahlbündnis, dem
»Großblock«, zusammen, um den DDP-Kandidaten Adolf Wendling zu unterstützen. Dagegen
hetzte der Redakteur der Meßkircher Zentrumszeitung »Heuberger Volksblatt«, Albert
Zimmermann. Was ihn vor allem so sehr empörte war die Tatsache, daß im katholischen
Meßkirch erneut ein protestantischer Bürgermeister regieren sollte. Diese Auseinandersetzung
erreichte ihren traurigen Höhepunkt, als Weißhaupt bei einer Wahlkundgebung Wendlings
von Zimmermann attackiert und verhöhnt wurde, und sich dabei so sehr erregte, daß er
einen Schlaganfall erlitt und starb.

Die Wahl wurde deshalb auf Dezember verschoben, der Wahlkampf ging aber genauso bissig
weiter. Als jedoch die Meßkircher Wähler bei der Gemeinderatswahl im November 1930
den »Großblock« unterstützten, war die Wahl des Kaufmanns Wendling zum Bürgermeister
von Meßkirch durch den Gemeinderat nicht mehr aufzuhalten. Er trat zum 1.1.1931 seinen
Dienst an.

Bei dieser Gemeinderatswahl war die NSDAP Meßkirch zu schwach besetzt, um mit einer
eigenen Liste anzutreten. Sie rief aber ihre 107 Wähler der letzten Reichstagswahl auf, für den
»Großblock«, also für Wendling zu stimmen, um die Wahl des Kandidaten des Zentrums, Dr.
Neudecker aus Pforzheim, zu verhindern. Dies veranlaßte Redakteur Zimmermann, für den
die Sozialdemokraten und die Liberalen den Kommunisten gleichzusetzten waren, etwas verfehlt
von einem »Bündnis von Nationalsozialisten und Kommunisten zu sprechen15«.

Auch bei den am selben Tag stattfindenden Bezirks- und Kreiswahlen konnte die mit einer
eigenen Liste antretende NSDAP keinen Sitz erringen. Auf beiden Listen befanden sich die
drei gleichen Stettener Nationalsozialisten unter anderen der neue Kreisleiter Bäckert, nur in
jeweils umgekehrten Listenplätzen. Bemerkenswert ist, daß von den 16 Kandidaten der Badischen
Bauernpartei später neun Funktionsstellen im »Dritten Reich« übernahmen"'.

Wie bereits im vergangenen Jahr startete die NSDAP Anfang des Jahres 1931 wieder eine
»Versammlungsoffensive«. Bereits Mitte Januar hatte die Ortsgruppe einen hochkarätigen
und berüchtigten NS-Redner verpflichtet. Der Landwirt und Mitglied des badischen Landtages
Albert Roth, der als Reichsredner der NSDAP 1929 wegen beleidigenden Äußerungen gegen
die Republik und die führenden Politiker zu drei Monaten Gefängnis verurteilt17 worden
war, sprach im überfüllten Saal des Gasthauses Meliert über den »Nationalsozialismus und
den Kampt ums dritte Reich«ls. Fortgeführt wurde diese »Offensive« in den nächsten Wochen
in Langenhart, Gutenstein und Kreenheinstetten.

Größeres Aufsehen erregte die Partei allerdings erstmals am 31.5.1931. An diesem Sonntag
veranstaltete die Ortsgruppe mit Unterstützung von benachbarten Gruppen und unter der
Leitung eines Überlinger Parteigenossen zu Propagandazwecken eine Lastkraftwagenfahrt
durch die Gemeinden Rast, Sauldorf, Krumbach, Meßkirch, Leitishofen und Göggingen. Die
Meßkircher NSDAP war zu schwach organisiert, um solch eine Veranstaltung alleine durchführen
zu können. Für die gesamte Strecke waren über zweieinhalb Stunden vorgesehen;
eigentlich eine zu lange Zeit für die reine Fahrt. Aber den Veranstaltern ging es natürlich nicht
nur ums Lastwagenfahren. Vielmehr wurde in jeder Gemeinde angehalten und alle Teilnehmer
, rund 150 SA-Männer, marschierten in Uniform und im Gleichschritt hinter der Hakenkreuzfahne
durch die Straßen. Ganz gewiß lockte dieser Propagandamarsch zahlreiche Meß-

15 GAIV. 565.

16 Deutsche Bodenseezeitung 7.11.1930 bzw. 19.11.1930.

17 Bräunche (wie Anm. 4), S. 346.

18 Der Führer 17.1.1931.

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