Universitätsbibliothek Freiburg i. Br., ZG 1563
Hohenzollerischer Geschichtsverein [Hrsg.]
Zeitschrift für Hohenzollerische Geschichte
34(120).1998
Seite: 192
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Helmut Weißhaupt

kircher aus ihren Häusern, um das »braune Schauspiel« neugierig zu betrachten. Vielleicht
mochte manch einer über diese militärische Geschlossenheit staunen und die Männer in den
Uniformen mit den Hakenkreuzbinden am Arm bewundern. Manch anderer mochte freilich
auch den Aufmarsch verachtend als Kriegsspielerei abtun. Die Ortsgruppe hatte jedoch erreicht
was sie wollte: Die Bevölkerung war auf die Bewegung aufmerksam gemacht worden
und die Partei war im Gespräch bei den Leuten. Der Abschluß der Lastwagenfahrt fand im
Saal des Gasthauses »Lamm« in Meßkirch statt, wo, wie bereits im Januar, der Landtagsabgeordnete
Roth als Redner verpflichtet war19.

Eine Woche später wurde der Umzug wiederholt, aber eine für den 24. Juli beantragte öffentliche
Versammlung, wieder im Lammsaal, wurde verboten. Dem Bezirksamt schienen die
öffentliche Sicherheit und Ordnung zu stark gefährdet. Zuvor waren schon vom badischen
Innenminister alle Veranstaltungen der NSDAP unter freiem Himmel verboten worden. Erst
wieder im September 1931 durfte die nächste Parteikundgebung im »Lamm« stattfinden. Dieses
Mal waren gleich zwei Redner eingeladen. Zum einen wieder der NSDAP-Landwirt Roth,
der über »Landwirtschaft und Nationalsozialismus« referierte, zum anderen Gertrud Scholz-
Klink, die Leiterin der NS-Frauenschaft in Baden. Die spätere Reichsfrauenführerin sprach
über »Die deutsche Frau im Dienste am deutschen Volke«20.

Im September 1931 geriet die Ortsgruppe zum ersten Mal in Konflikt mit dem Bürgermeisteramt
. In der Nacht zum 28. dieses Monats klebten einige Parteimitglieder unberechtigt Plakate
an die städtischen Anschlagsstellen. Der »Vorstand der NSDAP«21, Ramsperger, wurde
persönlich dafür verantwortlich gemacht, solche Aktionen in Zukunft unterbleiben zu lassen,
und die Plakate mußten von der Ortsgruppe wieder entfernt werden.

Einen Monat später meldete sich dann eine ganz andere Partei zu Wort. Die KPD-Ortsgruppe
Stockach veranstaltete im Lammsaal eine öffentliche Versammlung, zu der alle Nationalsozialisten
aufgefordert waren zu erscheinen. Die Kommunisten kündigten eine freie Diskussion
an und sicherten ihren Gegnern freies Geleit zu. Redner war ein ehemaliger SA-Führer
und Gauredner aus der Pfalz, der über seinen Weg »Vom Hakenkreuz zum Sowjetstern«
einen Vortrag hielt. Darüber, ob es zu Zwischenfällen oder Ausschreitungen kam, ist in den
Zeitungen nichts zu finden22. Die Ortsgruppe der NSDAP konterte schnell und versuchte mit
einem Unterhaltungsabend das Interesse der Bevölkerung auf sich zu ziehen. Dafür engagierte
sie die Großdeutsche Spielschar des Gaues Berlin mit dem Stück: »Die Braunhemden«. Den
Besuchern wurden für einen Unkostenbeitrag von 60 Pfennig in zweieinhalb Stunden 22 Programmnummern
geboten. Vorwiegend waren dies politische Zeitbilder, Volkstänze und
Volkslieder. Allerdings durfte keiner der Zuschauer in Parteiuniform erscheinen, denn in Baden
herrschte zu dieser Zeit gerade Uniformverbot für die NSDAP.

Eine weitere geplante nationalsozialistische Veranstaltung, bei der ein Reichstagsabgeordneter
als Redner vorgesehen war, wurde verboten. Die Weihnachtsfeier im »Bahnhof« durfte
dann aber stattfinden. Der Teilnehmerkreis war jedoch auf die Mitglieder der Ortsgruppe beschränkt
, selbst deren Angehörigen war eine Teilnahme nicht gestattet23.

Die damalige Reichsregierung und vor allem die Landesregierung versuchten mit einer
Reihe von Verboten, der Hitlerbewegung entgegenzuwirken. Die Maßnahmen reichten vom
Uniform- und Versammlungsverbot bis zum Verbot von SA und SS24. Leider aber konnte keine
dieser Maßnahmen das Erstarken des Nationalsozialismus verhindern. Zu groß war der
von den Nationalsozialisten immer wieder unverholen ausgesprochene Haß gegen die Demo-

19 GAXI.1523.

20 GAXI.1523.

21 GA XVII. 1748.

22 GAXI.1523.

23 GAXI.1523.

24 Bräunche (wie Anm. 4), S. 364.

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