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Helmut Weißhaupt
/. Wahlgang
13. 3. 1932
2. Wahlgang
10. 4. 1932
Hindenburg (Weimarer Koalition)
Thälmann (KPD)
Duesterberg (DNVP)
Winter (Splitterpartei)
Wahlbeteiligung
Hitler (NSDAP)
Stadt
88,6
23,3
70,6
4,0
1,8
0,3
Reich
86,2
30,1
49,6
13,2
6,8
0,3
Stadt Reich
89,3 83,5
24,7 36,8
73,2 53,0
2,1 10,2
Tabelle 4: Die Ergebnissse der Reichspräsidentenwahl 1932 (Prozentanteile der abgegebenen gültigen
Stimmen; Vergleich Meßkirch und Reich28)
Trotz dieses Erfolges der NSDAP in Meßkirch und im Bezirk, wo sie mit 1979 Wählern ihren
Stimmenanteil sogar fast verfünffachen konnte, lag die braune Partei in der Rangfolge aller
40 badischen Amtsbezirke nach einer parteiinternen Statistik immer noch am Schluß. Allerdings
hat der Bezirk Meßkirch bei den Aprilwahlen erstmals den letzten Platz, nach absoluten
Stimmen gerechnet, an den Bezirk Pfullendorf abgeben29.
Am 13.4.1932 war das schon erwähnte SA-Verbot vom Reichsinnenministerium erlassen
worden. Das sollte die Meßkircher Nationalsozialisten allerdings nicht weiter stören. Seit
einiger Zeit schon hatte die SA jeden Samstagabend von 20.00 - 22.30 Uhr den städtischen
Turnsaal in der früheren »Sonne« genutzt. Die 12 bis 15 »Hitler«, wie sie von der Meßkircher
Bevölkerung bezeichnet wurden, hielten hier Turnübungen ab. Nachdem nun das SA-Verbot
ausgesprochen wurde, benannten sie sich kurzerhand in den »Nationalen deutschen Arbeiterverein
« um. Doch dem »Heuberger Volksblatt«, der Zentrumszeitung, entging dies nicht.
Schon am 23. April machte Redakteur Zimmermann die Öffentlichkeit auf das Treiben der
»Hitlerburschen« aufmerksam. Auf ironische Art machte er sich über die »Hitlerjungen«
lustig, denen es doch überhaupt nicht ums Turnen ginge, sondern nur ums »Soldätelespielen«.
Für »militärische bzw. Putsch- und Revolutionsübungen« dürfe aber in Meßkirch kein städtisches
Lokal zur Verfügung gestellt werden30. Dieser Meinung war auch die SPD-Ortsgruppe,
die sogleich den Gemeinderat aufforderte, dem »neuen« Verein die Turnhallenbenutzung zu
verbieten. Der Gemeinderat beauftragte daraufhin Polizeiwachtmeister Brennenstuhl, der
Sache nachzugehen. Nach Zeugenbefragung erwiesen sich in der Tat die Vermutungen Zimmermanns
als wahr. Einigen Anwohnern war aufgefallen, daß jeweils samstags abends viel
marschiert und exerziert wurde und dabei Kommandos gegeben wurden wie: »Stab auf; Stab
ab; präsentiert den Stab«. Weiter wurde bekannt, daß die Teilnehmer der »Turnstunden« sich
häufig über die neuesten Hitlerbefehle unterhalten hatten. Dieses Verhalten verstieß gegen die
Notverordnung und der Gemeinderat untersagte somit der getarnten SA die weitere Benutzung
des Sonnensaals.
Die Ortsgruppe mußte das wohl oder übel akzeptieren, protestierte aber gegen das Verbot
mangels eigenem Parteiorgan in der liberalen »Meßkircher Zeitung«. Sie wunderte sich über
das plötzliche Zusammengehen der »Roten mit den Schwarzen« und bezeichnete die Katholische
Deutsche Jugendkraft (DJK) als eine »Brutstätte für den Nachwuchs des Zentrums«.
Das »Heuberger Volksblatt«, das (noch) das letzte Wort hatte, bezeichnete daraufhin die
»Meßkircher Zeitung« als neues Parteiorgan der NSDAP, die jetzt, nachdem die Dt. Staats-
28 Die Ergebnisse der Präsidentenwahl in Meßkirch und Reich der Berichterstattung H. V. vom
14.3.1932 und 11.4.1932 zufolge.
29 Der Führer vom 14.4.32.
30 Heuberger Volksblatt (künftig zit.: H.V.) vom 23.4.1932.
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