Universitätsbibliothek Freiburg i. Br., ZG 1563
Hohenzollerischer Geschichtsverein [Hrsg.]
Zeitschrift für Hohenzollerische Geschichte
34(120).1998
Seite: 204
(PDF, 85 MB)
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Helmut Weißhaupt

ungültigen Stimmen (47) zusammenzählt, so kam eine »Absage« an die NS-Politik von 9,8%
der Meßkircher zustande. Bei der Reichstagswahl waren es etwas mehr: dort sprachen sich
nach dieser Rechnung 13,2% der Wahlberechtigten nicht für die Einheitsliste aus65. Trotzdem
war der Wahlerfolg unbestreitbar und die NS-Presse feierte die 93,5% Zustimmung im Reich
(Meßkirch 93,6%; Bezirk 95,7%) bei der Volksabstimmung sowie die 92,2% bei der Reichstagswahl
(Meßkirch 86,8%; Bezirk 91,7%) als »Wiedergeburt des Deutschen Volkes«, und mit
dem 12. November 1933 begann für sie eine »neue Epoche der deutschen Geschichte«66.

2.6. Ein Parteibonze wird Bürgermeister

Im Februar 1934 wurde auf Grund des »4. Gesetzes zur Durchführung der Gleichschaltung
im Land Baden« der bisherige Gemeinderat wieder aufgelöst. Nur zwei Mitglieder der alten
Vertretung, Ramsperger und Weißhaupt, wurden danach wieder ernannt. Neu hinzu kamen
Otto Dieringer, Rudolf Ehrenschneider, Ernst Nabenhauer und Ernst Hiller. Mit Ernst Hiller
war zum ersten und einzigsten Male ein Gemeinderat berufen, der bereits vor der »Machtergreifung
« in der Gemeindevetretung tätig war. Fabrikant Hiller war zwar als Vetreter der
Wählervereinigung 1930 in das Stadtparlament gewählt worden, aber bereits 1932 der
NSDAP beigetreten und hatte seither deren Interessen im Gemeinderat vertreten67.

Zwar sollte sich diese Auflösung nicht auf das Amt des Bürgermeisters beziehen, tatsächlich
wurde aber zur gleichen Zeit das Meßkircher Stadtoberhaupt ebenfalls ausgewechselt.
Der Meßkircher Bürgermeister Wendling tauschte zum 1. März 1934 sein Bürgermeisteramt
mit dem Stettener NS-Bürgermeister und Kreisleiter des Bezirks, Ernst Bäckert.

Die genauen Beweggründe der Absetzung Wendlings als Meßkircher Bürgermeister sind
weitgehend unklar. Zwar wurde bereits bald nach der Machtergreifung versucht, gegen Wendling
vorzugehen, da er bis Januar 34 noch kein vollwertiges NSDAP-Mitglied war und ihm
auch von verschiedenen Seiten vorgeworfen wurde, politisch nicht zuverlässig zu sein. Doch
wurden diese Anschuldigungen in einer Untersuchung des Landeskommissärs in Konstanz,
des Gauinspekteurs Speer, sowie des Kreisleiters Bäckert als persönliche Gehässigkeiten und
egoistische Absichten der Beschwerdeführer entlarvt68. Aus diesem Grunde wurde auch in
einem Schreiben an das badische Innenministerium noch am 31.1.34 berichtet, daß im Übrigen
keine Gründe vorliegen, den Bürgermeister zu entfernen''''. Dennoch wurde Wendling
plötzlich doch seines Amtes enthoben und zum 1. März 1934 mit Glückwünschen der NS-
Presse nach Stetten a. k. M. versetzt70.

Wahrscheinlich gab letztendlich die zentralere Lage Meßkirchs den Ausschlag für einen
Wechsel des Kreisleiters. Zum einen war Meßkirch Amtsstadt, die mit dem Bezirksamt eine
wichtige Behörde hatte, mit der im nationalsozialistischen Geiste zusammengearbeitet
werden mußte. Zum anderen lag Meßkirch näher an Konstanz und somit näher zur NSDAP-
Leitung für Oberbaden. Schließlich war Bäckert durch seine Funktion als Kreisleiter sowieso
ständig in Meßkirch tätig, da sich die NSDAP-Kreisgeschäftsstelle in der Kreutzerstadt
befand.

Bemerkenswert bei diesem Austausch war, daß Bäckert nicht in sein neues Amt gewählt,
sondern auf Anordnung des Ministers des Innern in Karlsruhe zum Bürgermeister der Stadtgemeinde
Meßkrich ernannt wurde. Man befürchtete, daß die Wahlhandlung eine Störung der

65 GA XIII. 1548.

66 H.V. vom 13.11.1933.

67 GA V. 883.

68 GA V. 883.

69 GA IV. 479.

70 BoRu vom 6.3.1934.

204


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