http://dl.ub.uni-freiburg.de/diglit/zhg1998/0224
Edwin Ernst Weber
Das Krauchenwieser Schloß, das bereits seit 1937 jeweils acht Monate im Jahr als Landjahrlager
für 14jährige Mädchen gedient hatte, wird nach dem Abschluß eines Mietvertrags
mit der fürstlich-hohenzollernschen Verwaltung Mitte April 1940 vom Reichsarbeitsdienst
übernommen und Anfang Mai dann erstmals mit 55 »Arbeitsmaiden« belegt9. Die im Schnitt
zwischen 17 und 21 Jahre alten arbeitsdienstpflichtigen Frauen sind in Gruppen von zumeist
zwischen 60 bis 80 Personen jeweils für ein halbes Jahr in Krauchenwies tätig. Die Unterbringung
im Schloß erfolgt unter durchaus spartanischen Bedingungen in zumeist unbeheizten
Räumen mit acht bis zehn und teilweise noch mehr Betten. Dem nationalsozialistischen
Anspruch der »Abhärtung« dient auch ein strikter Tagesablauf mit Wecken um 6 Uhr morgens
, Frühsport, Fahnenappell und Gesang, sodann dem Arbeitseinsatz innerhalb des Lagers
oder im sogenannten »Außendienst« bis 18 Uhr und schließlich dem gemeinsam verbrachten
Abend mit Fortbildung in Hauswirtschaft und Erster Hilfe, aber auch Basteln, Spielen,
Singen, Volkstanz- und Brauchtumspflege und nicht zuletzt »weltanschaulicher Schulung«.
Nach dem Abendessen und der Fahneneinholung haben die jungen Frauen bis zur Bettruhe
noch eine kurze Zeit zur persönlichen Verfügung, die in Krauchenwies neben dem Briefeschreiben
und der
Pflege von Schuhwerk
und Kleidung
häufig für Spaziergänge
im weitläufigen
fürstlichen Park
genutzt wird10.
Außenkontakte
zur Krauchenwieser
Dorfbevölkerung
sind im wesentlichen
nur im Rahmen des
Arbeitseinsatzes auf
Bauernhöfen und in
Haushalten erlaubt,
Abb. 3:
Morgendliche
Flaggenhissung im
RAD-Lager
Krauchenwies 1941.
Vorlage: Ruth Steinbuch
, Uhingen. Foto:
Kreisarchiv Sigmaringen
VI/1 Nr. Kra/37
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