Universitätsbibliothek Freiburg i. Br., ZG 1563
Hohenzollerischer Geschichtsverein [Hrsg.]
Zeitschrift für Hohenzollerische Geschichte
34(120).1998
Seite: 230
(PDF, 85 MB)
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http://dl.ub.uni-freiburg.de/diglit/zhg1998/0244
Ute Weidemeyer-Schellinger

gekommen sind. Er war auf jeden Fall eine unbescholtene Persönlichkeit, das war ja Voraussetzung
. Und seine Tochter hat perfekt französisch sprechen können. Ich weiß nicht, ob das
eine Rolle gespielt hat. Vielleicht ist sie irgendwie als Dolmetscherin aufgetreten, und dann hat
man ihn so kennengelernt. Die Bevölkerung hat wahrscheinlich dem Bürgermeister Widmaier
auch zugesprochen, er soll ja gucken, daß er das Amt behält, weil sie gewußt haben, wenn's einer
kann, dann kann's der. Er hat also schon Autorität gehabt, auch denen (Franzosen, d.V)
gegenüber, aber er hat sich eben auch in acht nehmen müssen. Man hat ja jeden Tag Beispiele
gehabt, wie schnell die dabei sind und einen einfach wegjagen und wegschmeißen aus dem Amt.
Es war ja keine Instanz da am Anfang«297. »Der Bürgermeister Widmaier hat auch gesehen,
wie's ist. Der hat abgedankt, und dann hat man meinen Mann gewählt. 1946 ist mein Mann zum
Bürgermeister gewählt worden, weil ja niemand da war. Die Franzosen standen schon hinter
meinem Mann, es waren ja auch ein paar Anständige dabei«298.

Ein Informant berichtet über seine Einsetzung als Bürgermeister der Burladinger Nachbargemeinde
Hausen im Juni 1945: »1945 bin ich als Bürgermeister eingesetzt worden, 1946
war dann die erste Wahl. Es hat keinen bestimmten Grund gegeben, weshalb ich Bürgermeister
geworden bin. Von 1912 bis 33 war ein Onkel von mir Bürgermeister in Hausen. Er
wurde 1933 abgelöst, weil er kein Parteimitglied war. Und 45 war er auch noch ziemlich
rüstig, und da war es natürlich das Nächstliegende, daß er wieder eingesetzt wird. Er hat dann
aber gesagt: Das kann ich nicht mehr. Da war er dann vielleicht 75. Und ich war schon da,
sonst war überhaupt niemand im Ort, von dem man sagen konnte, der kann das vielleicht
machen. Es waren ja noch alle weg als Soldat und in Gefangenschaft, es war ja alles unterwegs.
Und so kam das dann auf mich zu. Soviel ich weiß, wurde dann der damalige Pfarrer noch aufgefordert
, er solle irgendeinen Vorschlag machen. Sie haben eben irgendwie eine Grundlage
gesucht. Durch diesen Umstand bin ich dann wohl benannt worden. Die erste Wahl 1946 hat
nur zwei Jahre gegolten, und dann hat man 1948 wieder gewählt und die hat dann sechs Jahre
gegolten«299.

Die Bürgermeister waren in der ersten Zeit der Besatzung in ihrer Tätigkeit stark eingeschränkt
, sie mußten fast täglich oder zumindest in kurzen Abständen die Vertreter der örtlichen
Militärregierung über ihre Arbeit unterrichten und neue Weisungen entgegennehmen.

Herr G. bestätigt das Faktum, daß man als Bürgermeister zu Beginn der Besatzung ausschließlich
als Befehlsempfänger fungiert hat. »Jeden Tag um halb zwölf war Besprechung
beim Ortskommandanten, und da hat man die neuesten Befehle gekriegt. Man war ja nichts
anderes als ein Befehlsempfänger. Ich mußte ja nur Anweisungen ausführen. Man hat ja gar
keine Entscheidungsbefugnisse gehabt. Es gab ja keine andere Möglichkeit, als einfach einmal
weitermachen mit den Besatzungstruppen«300.

Eine andere Erinnerung an das Verhältnis zwischen dem Bürgermeister und den Besatzern
verdeutlicht, daß es anfänglich auch Probleme mit der Verständigung gegeben hat. »Ich hatte
in Hausen zuerst ein bißchen einen schwierigen Kamerad von einem Kommandanten. (...) Das
war ein Reserveoffizier, den hat man auch aus irgendeinem Beruf herausgeholt, und mit dem
kam ich dann eigentlich einigermaßen zurecht. Der hat sein Haus auch beschlagnahmt gehabt,
und da hat er mich dann immer wieder hinkommen lassen. Mit dem ging's dann einigermaßen,
obwohl es gab noch Schwierigkeiten genug, das ist klar. Ich hatte immer wieder mit den Unteroffizieren
Probleme, die man immer zum Übersetzen gebracht hat. Wenn's dann wieder
etwas war, von dem ich gedacht habe, das kann doch gar nicht sein! Ich habe immer den Maßstab
genommen von unserer Besatzungszeit. Das war immer wieder ein derartiges Hin und

297 Interview mit Herrn A. am 22.1.1991.

298 Interview mit Frau B. am 18.2.1991.

299 Interview mit Herrn G. am 29.4.1991.

300 Ebd.

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