Universitätsbibliothek Freiburg i. Br., ZG 1563
Hohenzollerischer Geschichtsverein [Hrsg.]
Zeitschrift für Hohenzollerische Geschichte
34(120).1998
Seite: 238
(PDF, 85 MB)
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Ute Weidemeyer-Schellinger

nachher zusammengeschlossen am 20. Juli. Es waren doch lauter intelligente Leute, die da dabei
waren«336. »Und auch den Lehrern ist weiter nichts passiert. Ich wüßte jedenfalls nichts.
Die Lehrer haben eben die Hand hochheben müssen: >Heil Hitler!<, sonst wären sie um ihre
Existenz gekommen«337. »Und die Lehrer waren nachher auch gleich wieder da, eigentlich
alle. Die waren auch nicht so sehr Nazi. Der Lehrer X., das war so ein richtiger Nazi«338. »In
den Monaten Juli und August 1945 wurden verschiedene Lehrer aus dem Dienst entlassen,
weil ihre Einstellung zum Nationalsozialismus so war, daß sie im neuen Regime nicht mehr
tragbar erschienen. Unter ihnen war auch Lehrer X., der einst hier Lehrer war und mit seiner
ganzen Familie aus der Kirche ausgetreten ist. Er zog dann nach Ostpreußen und kam im
Frühjahr 1945 wieder nach HohenZoUem. Er w urde in Stetten unter Holstein (Burladinger
Stadtteil, d.V.) wieder im Schuldienst verwendet. Nach dem Kriege mußte er mit Waldarbeiten
sein tägliches Brot verdienen«339. »Sie sind so ziemlich alle wieder auf ihre früheren Posten gekommen
. Der einzige war der Lehrer X., der ist ja aus der Kirche ausgetreten und dann hat er
seinen Lehrertitel verloren. Und alle anderen haben wieder ihre Posten gekriegt. Der Lehrer
Y. war ja Ortsgruppenleiter in Steinhilben, praktisch das Höchste von der Ortsgruppe!«340.
»Mit dem 31. Oktober 1948 wurde Schulhelfer Bogenschütz nach Wessingen beordert und an
seine Stelle trat Lehrer Y., der nach längerer Entlassungszeit infolge Entnazifizierung ab
1.11.48 nach Burladingen beordert wurde«341. »Der Lehrer Y. war ja Ortsgruppenleiter, und
der hat sich dann in den Vereinen eingeschlichen. Er ist 1930 gekommen, und dann muß er so
34/35 in Steinhilben drüben Ortsgruppenleiter geworden sein. In der Zeit ist er dann weggekommen
. Und nach dem Krieg hat er sich beim Musikverein als erster Vorstand eingeschlichen
, und mit dem Pfarrer hat er auch guten Kontakt gehabt. Der Lehrer X. war im
Grunde genommen kein schlechter Mensch. Und der hat's eben nicht verstanden, und den hat
man als Lehrer gar nicht mehr eingesetzt. Und solche Spitzbuben wie der Y, die die Hände
gen Himmel gestreckt haben, haben ihr Amt behalten. Nicht nur der, der Z. war der gleiche
«342. »Das mit der Entnazifizierung der Lehrer ist ziemlich schnell gegangen. Was hat man
machen wollen? Man hat sie ja gebraucht«343.

Ein Interviewpartner erinnert sich an die politische Säuberung der Pädagogen in Hausen
und betont in diesem Zusammenhang, daß ein Lehrer auch nur zum Schein Parteimitglied sein
konnte. »Die Lehrer wurden auch entnazifiziert. Der frühere Schulleiter aus Hausen ist versetzt
worden. Dort durfte er dann wieder Schule halten. Ich kann aus eigenem Erleben nicht
sagen, wie er sich politisch verhalten hat. Ich weiß nicht, ob er sich ein bißchen mehr eingesetzt
hat, als es notwendig war. Aber man muß auch sehen, das waren Beamte und die mußten
da wenigstens scheinbar mitziehen. Ein Onkel von mir war auch Volksschullehrer im Kreis
Sigmaringen. Von dem weiß ich, der war alles andere als ein Parteimitglied, aber auf dem
Papier hat's stehen müssen. Wenn man eine Familie zu versorgen hatte und hatte nun den
Beruf, gut. Nur ist es dann ein Unterschied, ob man mit Nachdruck noch selbst etwas dazu tut
oder einfach einmal das beiläufig so mitmacht. Bei manchen anderen Gelegenheiten kann man
sich dann doch wieder erkenntlich zeigen, daß man das nicht so todernst nimmt. Also der
Lehrer aus Hausen ist versetzt worden, und dann waren in meiner Amtszeit in Hausen zwei
neue Zuweisungen an Lehrern«344.

336 Interview mit Frau B. am 18.2.1991.

337 Interview mit Herrn H. am 16.5.1991.

338 Interview mit Frau F. am 16.4.1991.

339 Chronik der katholischen Pfarrgemeinde Burladingen.

340 Interview mit Herrn E. am 21.3.1991.

341 Schulchronik Hauptschule Burladingen.

342 Interview mit Herrn E. am 15.5.1991.

343 Interview mit Herrn A. am 22.1.1991.

344 Interview mit Herrn G. am 29.4.1991.

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