Universitätsbibliothek Freiburg i. Br., ZG 1563
Hohenzollerischer Geschichtsverein [Hrsg.]
Zeitschrift für Hohenzollerische Geschichte
34(120).1998
Seite: 251
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»Es war wie überall, eben kleiner« - Französische Besatzung in Burladingen (1945-1948)

unterwegs«402. »Es hat doch jeder seine schwarze Sau gehabt. Zum Anmelden hat er ein extra
Schwein gehabt. Da ist ja eine Kommission herumgegangen und hat geguckt: Ja, wieviel
Schweine hast du? Ja, eines. Dann hat man das taxiert. Und in einem anderen Raum hat er ein
größeres gehabt, das hat viel zu fressen gekriegt und ist für den Haushalt gewesen. Und das
hat man dann schwarz geschlachtet. Davon hat die Behörde nichts wissen dürfen. Sie haben's
gewußt, aber sie haben eben ein Auge oder oft beide Augen zugedrückt. Was haben sie machen
wollen?«403

Einen Grund für das Halten eines »schwarzen Schweines« stellte die Tatsache dar, daß man
ausschließlich von den zugeteilten Lebensmittelkarten nicht leben konnte. »Lebensmittelkarten
hat's nach dem Krieg auch noch gegeben. Ich sage ja, man hat ein Schwein, ein Rind oder
ein Kälbchen gehabt, das man schwarz geschlachtet hat. Und dann hat man das überbrückt
mit den Karten. Ich weiß nicht mehr, wieviel es pro Person gegeben hat, vielleicht 50 Gramm
Fleisch und Brot auch. Das ist natürlich damals knapp gewesen. Und das schwarze war dann
das zusätzliche Küchenopfer. Der, der früher keine Landwirtschaft gehabt hat, hat in seine
Garage ein Stück Vieh hineingestellt, ein Schwein oder eine Ziege. Dann hat jeder sein Lebensinventar
gehabt, bloß damit er über die Runden gekommen ist«404. »Die meisten haben eben
ein schwarzes Schein gehabt, und das durfte ja niemand wissen und doch hat's jeder gewußt.
Von den Karten hat man in dem Sinn nicht leben können. Wir hatten auch ein Schwein bei den
Hühnern, das wir nicht angemeldet hatten. So ein kleines Schweinchen, das mußten wir auch
kompensieren. Da mußte man dem Bauern auch Hemden geben oder irgend etwas, und dann
hat man das Schweinchen hochgezogen. Man durfte den Eimer mit dem Futter nie außen am
Haus entlangtragen, sondern den mußte man immer zum Fenster hinunterlassen, damit das
niemand gesehen hat. Als das Schwein groß geworden ist, hat man einen Metzger gehabt, der
gut befreundet war, und das hat man dann bei Nacht gemacht. Da hat man die ganze Nacht geschlachtet
, aber auch alles ganz geheim, damit ja niemand etwas merkt. Und damals hat man ja
Schmalz gemacht, das ja gerochen hat. Das hat man auch bei Nacht gemacht, damit man die
Fenster aufstellen konnte. Furchtbar! Das war schon eine schlimme Zeit eigentlich«405. »Man
hat dann natürlich auch ein Schwein gehabt, die Leute, die ein bißchen Landwirtschaft gehabt
haben. Dann hat man das eben einmal geschlachtet. Dazu mußte man aber einen Schlachtschein
haben, den mußte man auf dem Rathaus beantragen. Ab und zu kamen Viehzählungen.
Da kamen die und haben geguckt, ob das Vieh, das man angegeben hat, auch da ist, oder ob
man mehr hat. Nur ist es natürlich so gewesen, mancher hat vielleicht auch einmal zwei
Schweine gehabt. Da hat zum Beispiel auch einmal einer einen Schlachtschein geholt, er will
ein Schwein schlachten. Der Fleischhauer ist gekommen, er mußte das Schwein ja stempeln.
Und dann hat er zu ihm gesagt: Du, wenn du dann wieder schlachtest, dann mußt du aufpassen
, nicht daß du zwei halbe hinhängst und jedes hat einen Schwanz! Das gab's auch. Da haben
die dann zwei geschlachtet, und im Eifer des Gefechts haben sie dann zwei halbe aufgehängt,
jedes mit einem Schwanz. Wenn natürlich der Fleischhauer nicht ein guter Freund gewesen
wäre oder so, dann wären beide weg gewesen. Da hätte es also nichts gegeben. Ich meine, das
war selten, aber das sind solche Erinnerungen«406. »Oder wenn einer zum Beispiel ein Kalb
gekriegt hat, mußte man das auf dem Rathaus anmelden. Wir haben auch einmal eine Kuh und
dann ein Kalb gehabt, das eingegangen ist. Das mußte man auf dem Rathaus sagen, dann mußte
da einer kommen und feststellen: Jawohl, da liegt das tote Kalb. Die sind gekommen und
haben kontrolliert. Das waren Deutsche. Die konnten ja feststellen, wenn einer zwei Kühe ge-

402 Interview mit Frau B. am 18.2.1991.

403 Interview mit Herrn H. am 16.5.1991

404 Ebd.

405 Interview mit Frau F. am 16.4.1991.

406 Interview mit Herrn D. am 9.4.1991.

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