Universitätsbibliothek Freiburg i. Br., ZG 1563
Hohenzollerischer Geschichtsverein [Hrsg.]
Zeitschrift für Hohenzollerische Geschichte
34(120).1998
Seite: 256
(PDF, 85 MB)
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http://dl.ub.uni-freiburg.de/diglit/zhg1998/0270
Ute Weidemeyer-Schellinger

nicht kriegt, auch für's Geschäft. So ist das früher gewesen! Wir haben keinen einzigen Truthahn
gegessen. Dann hat er einmal Enten gezüchtet, die sind auch alle so weggegangen. Man
hat sie für andere gezüchtet und hat dann auch etwas gekriegt. So sind auch zum Teil die
Geschäfte wieder aufgebaut worden. Mit nichts hat man nichts gekriegt. Das Geld hat ja
keinen Wert gehabt, bis dann die Währungsreform gekommen ist«416.

Die Tatsache, daß vor allem die landwirtschaftlichen Ablieferungen der Gemeinde und den
einzelnen Familien große Schwierigkeiten bereitet haben und in dieser Hinsicht von den Franzosen
keinerlei Rücksichtnahme zu erwarten war, veranschaulichen beinahe alle Burladinger
Informanten/innen. Mit ihren Erinnerungen speziell an diese Ereignisse dokumentieren sie,
daß diese Abgaben mit zu den bedeutsamsten Geschehnissen der Besatzung gehört und die
Mehrzahl der Bevölkerung unmittelbar betroffen haben. »Nahrungsmittel hat man lange abliefern
müssen. Als wir dann in der Mühle waren, haben wir ein Mädchen gehabt, die hat die
Milch immer bis nach Burladingen hinauftragen müssen, die Milchkannen zum Abliefern.
Von allem hat man abliefern müssen, von den Eiern, wer Hühner gehabt hat. Milch. Was man
gehabt hat, hat man abliefern müssen«417. »Anfangs kann das schon so gewesen sein, daß man
da auch Lebensmittel abliefern mußte. Ich meine, da hat man natürlich auch Lebensmittelkarten
gekriegt. Da hat man zugeteilt. Wer eigene Landwirtschaft gehabt hat, der mußte soviel
und soviel Getreide abliefern. Das hat man natürlich auch später noch müssen. Aber ob das
die Franzosen mitgenommen haben oder ob man das den anderen Deutschen mitgegeben hat,
das weiß ich auch nicht. Aber abliefern mußte man schon. So- und soviel durfte man behalten,
und das andere mußte man abliefern. Und auch Hühner, wer so- und soviel Hühner hatte, und
nachher mußte man auch Eier abliefern«418.

Frau B. erinnert sich an die Schwierigkeiten hinsichtlich der landwirtschaftlichen Abgaben
hauptsächlich aus der Sicht ihres verstorbenen Ehemannes, der in der damaligen Zeit als Bürgermeister
fungierte. »Dann kamen die Ablieferungen: Eier abliefern, Schweine abliefern,
Hühner abliefern, Vieh abliefern. Also, in der >Linde< hat man es zuerst geholt. Die >Linde< hat
ja bekanntlich Landwirtschaft gehabt, man hat viele Viecher gehabt, die hat man alle abgeliefert.
Und dann sind sie gekommen, sein Ausschuß, und haben gesagt, der hat soviel Stück Vieh. Da
war ja alles aufgezeichnet, da war ja die Viehzählung, die Hühnerzählung, die Schweinezählung
. Und dann mußte man Heu abliefern, soviel und soviel Zentner. Da war mein Mann
krank, der hat Fieber gehabt. Und dann kam der Franzose und hat ihn aus dem Bett geholt, er
müsse gucken, daß das Heu herkommt. Und dann sind die Leute gelaufen und haben das Heu
abgeliefert. Eigentlich war das Heu aber schon abgeliefert worden, und der Mann in Hechingen
, der das unter sich hatte, der hat den Wiegezettel in der Tasche gehabt und hat ihn nicht mehr
gefunden. Wenn man in den Farrenstall mußte, mußte man ein Büschel Stroh mitbringen, weil
die ja auch nichts gehabt haben. Morgens um sechs Uhr hat man einmal bei uns ans Fenster
geklopft: Du Lump, du elender! Und mein Mann hat ja nichts dafür können. Man hat eben
gucken müssen, daß alle davon etwas kriegen, die Franzosen und die eigenen«419.

Ein anderer Gesprächspartner rekonstruiert die damaligen Verhältnisse bezüglich der
landwirtschaftlichen Ablieferungen in konkretem Zusammenhang mit der momentanen
gesellschaftlichen Situation. »Die Franzosen haben ihre Verpflegung gehabt, eine gute Verpflegung
. Obwohl sie das meiste ja vom Amerikaner gehabt haben und natürlich auch von den
Deutschen requiriert. Ich sage ja, wenn einer ein Schwein geschlachtet hat, dann mußte er
soviel und soviel abliefern. Für ihn ist selbst nicht mehr viel übriggeblieben, bis er das abgeliefert
gehabt hat. Deswegen hat man ein schwarzes Schwein gehabt. Man hat dann zum Metzger
gesagt, da und da mußt du das und das holen. Der Metzger hat den Auftrag vom Rathaus

416 Interview mit Herrn A. am 22.1.1991.

417 Interview mit Frau C. am 12.3.1991.

418 Interview mit Herrn D. am 9.4.1991.

419 Interview mit Frau B. am 18.2.1991.

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