Universitätsbibliothek Freiburg i. Br., ZG 1563
Hohenzollerischer Geschichtsverein [Hrsg.]
Zeitschrift für Hohenzollerische Geschichte
34(120).1998
Seite: 317
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http://dl.ub.uni-freiburg.de/diglit/zhg1998/0331
Das Staatsarchiv Sigmaringen als Archiv des Landes Württemberg-Hohenzollern (1945-1952)

ron ausgelagerten Bestände. Zwar mußte das Staatsarchiv keine Kriegsverluste hinnehmen, jedoch
waren die einzelnen Bestände zum Teil in große Unordnung geraten. Die Wiederherstellung
des Ordnungszustandes von 1943 nahm noch viele Monate in Anspruch50.

4.2. Aussonderung bei Gerichten und Behörden

Zunächst stand die Übernahme der umfangreichen Akten der preußischen Regierung an51. Das
herrenlose Schriftgut wurde im Regierungsgebäude II in Sigmaringen sichergestellt und im
Laufe der Jahre 1947 bis 1949 in Zusammenarbeit mit der Abwicklungstelle der Regierung Sigmaringen
und der französischen Militärregierung ins Staatsarchiv übergeführt. Zusätzlich
mußten die älteren Akten anderer hohenzollerischer Behörden übernommen werden. Das
Staatsarchiv konnte jedoch nur die Übernahme der Altregistraturen gewährleisten. Die laufenden
Registraturen mußten hingegen auf die neu zuständigen Stellen aufgeteilt werden. Herber-
hold drängte in weiser Voraussicht mit Schreiben vom 2. Mai 1946 gegenüber der Landesdirektion
für Kultus, Erziehung und Kunst darauf, daß diese Akten zu schließen seien und nicht fortgeführt
werden dürften52. Dieser Ansicht schloß sich die Landesdirektion in einem Schreiben
an das Direktorialamt an53. Rückblickend sah Herberhold 1954 seine Anweisung im wesentlichen
umgesetzt54. Allerdings sei es auch zur Auflösung kompletter Akten und Eingliederung
herausgelöster Schreiben in neue Akten gekommen. Parallel dazu betrieb Herberhold umfangreiche
Aktenaussonderungen bei neu zum Sprengel gehördenden südwürttembergischen Gerichten
und Behörden. Schnell mußten die Akten der aufgehobenen Dienststellen und die
archivreifen Unterlagen dieser Dienststellen für das Archiv sichergestellt werden, bevor sie in
Kellern verdarben oder in die Papierfabrik wanderten. Dies erforderte umfangreiche Behördenbesuche55
. In zahlreichen, detaillierten Aktennotizen schildert Herberhold immer wieder
seine Aktenaussonderungen bei einzelnen Dienststellen. Dabei verließ er sich nicht auf Aktenaussonderungslisten
, sondern verschaffte sich ein eigenes Bild vor Ort anhand der angebotenen
Unterlagen. Dieses äußerst gewissenhafte Vorgehen war natürlich sehr zeitaufwendig. An einem
Bericht über die Dienstreise nach Hechingen und Haigerloch am 5. und 6. August 1946
kann dies anschaulich gezeigt werden56: Um 5.09 Uhr fuhr Herberhold mit der Bahn nach
Hechingen und besuchte dort nacheinander die Staatsanwaltschaft, das Landgericht und das
Amtsgericht. Um 13.15 Uhr setzte er die Reise nach Haigerloch fort und begutachtete die Akten
der Lehrerinnenbildungsanstalt. Der erste Tag der Aktenaussonderungsreise endete um 17.45
Uhr. Am folgenden Tagstand noch die Sichtung der Akten des Amtsgerichts Haigerloch an. 1949
begab sich Herberhold mit dem Motorrad auf Aktenaussonderung57.

50 StASWü 119T2Nr.255 (31.Mai 1946).

51 StASWü 119T2Nr.255(31.Mai 1946); Wü 80 Nr.400 (30. April 1949).

52 StAS Wü 119 T 2 Nr. 327. Wie weitblickend dieser Ansatz war, zeigen die Maßnahmen der Landesar-
chivdirektion Baden-Württemberg im Rahmen der jüngsten Behördenreformen, siehe Jürgen Treffeisen
: Es ergeben sich neue archivische Zuständigkeiten. Die Verwaltungsreform in Baden-Württemberg
und die Auswirkungen auf die Staatsarchive. In: Historische Uberlieferung aus Verwaltungsunterlagen.
Zur Praxis der archivischen Bewertung in Baden-Württemberg. Hg. Von Robert Kretzschmar (Werkhefte
der Staatlichen Archivverwaltung A 7). Stuttgart 1997, S. 47-54.

53 StASWü 119 T 2 Nr. 327 (20. Mai 1946).

54 StAS Wü 119 T 2 Nr. 327 (16. November 1954).

55 Stemmler, Staatsarchiv (wie Anm. 1), Sp. 350, 354. Zur derzeitigen Bewertungspraxis siehe Jürgen
Treffeisen: Im Benehmen mit... - Formen der Kooperation bei Bewertungsfragen mit den betroffenen
Behörden. Erfahrungen des Staatsarchivs Sigmaringen. In: Kretzschmar, Uberlieferung (wie Anm. 52),
S. 73-101.

56 StAS Wü 80 Nr. 398 (7. August 1946). Hier finden sich zahlreiche weitere Berichte Herberholds zu
seinen Dienstreisen im Rahmen von Aktenaussonderungen.

57 StAS Wü 80 Nr. 399 (23. September 1949): Ich bediene mich, um wegen der schlechten Bahnverbindungen
nicht unnötig Zeit zu versäumen, eines Motorrads.

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