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Das Staatsarchiv Sigmaringen als Archiv des Landes Württemberg-Hohenzollern (1945-1952)
te den staatlichen Archiven vorbehalten sein, wohingegen die Aufsicht den Landräten obliegen
sollte. Um die Sensibilität der einzelnen Gemeinden für ihr Schriftgut zu erhöhen, schlug
Herberhold die wertmäßige Erfassung der Archivalien vor. Diese seien mit einer entsprechenden
Summe in das Gemeindevermögen einzusetzt. Am 13. August erging ein Schreiben des
Landes Württemberg-Hohenzollern unter Federführung des Innen- und des Kultministeriums
an die Landratsämter83, in dem die Vorschläge Herberhold praktisch unverändert aufgegriffen
wurden84.
Mit seinem großen Engagement und Selbstverständnis trat Herberhold, der bis Kriegsende
nur für den preußischen Regierungsbezirk zuständig gewesen war, im Aufgabenfeld Archivpflege
in direkte Konkurrenz zur Württembergischen Archivdirektion85. Oberarchivrat
D. Dr. Max Miller beim Hauptstaatsarchiv Stuttgart hatte bis Kriegsende die Geschäfte der
Abteilung Schriftdenkmale beim Landesamt für Denkmalpflege ehrenamtlich wahrgenommen
. Diese Stelle war für die Archivpflege in Württemberg zuständig, was Miller auch nach
dem Zusammenbruch beanspruchte86. Er berief sich hierbei auf eine vom Staatssekretariat genehmigte
Regelung. Archivdirektor Karl-Otto Müller aus Stuttgart hatte am 15. Juli 1946 vorgeschlagen
, beim Landesamt für Denkmalpflege in Tübingen eine Abteilung Archivalienschutz
einzurichten und die Wahrnehmung der Geschäfte einem Beamten der Württembergischen
Archivdirektion, der im Benehmen mit dem Leiter des Landesamtes seine Tätigkeit
ehrenamtlich ausübt, anzuvertrauen. Diese Person sollte Max Miller sein. Mit einem Rundschreiben
an die Herren Archivpfleger des französisch besetzten Württembergs und Hohenzol-
lerns vom 10. September 1946 hatte das Landesamt für Denkmalpfleger versucht, Fakten zu
schaffen. Den amtierenden Archivpflegern wurde damals mitgeteilt, daß die Wahrnehmung
der Geschäfte der Abteilung Archivalienschutz beim Landesamt für Denkmalpflege an Max
Miller übertragen worden sei87. Mit Schreiben vom 12. November 1947 an das Kultministerium
legt Miller den Sachverhalt aus seiner Sicht dar. Schnell wird die Konkurrenzsituation zum
Staatsarchiv Sigmaringen und dessen Anspruch der Federführung im Bereich des Landes
Württemberg-Hohenzollern deutlich. Miller betont, daß aus seiner Sicht kein Grund bestehe,
die bisherige Regelung aufzugeben und mit dem Archivalienschutz im Lande Württemberg-
Hohenzollern ausschließlich das Staatsarchiv in Sigmaringen zu betrauen. [...] Ich [Max Miller
] werde selbstverständlich darauf Bedacht nehmen, mit dem Staatsarchiv Sigmaringen, das
weiterhin den Schriftdenkmalschutz für Hohenzollern wahrnimmt, wie bisher nicht bloss reibungslos
, sondern gut zusammenzuarbeiten.
Im Dezember 1947 und im Mai 1948 wurde Herberhold über die württembergische Sicht
der Archivpflege im Land Württemberg-Hohenzollern offiziell informiert88. Das Schreiben
Millers vom Dezember 1947 war an das Kultministerium in Tübingen gerichtet. Nach Millers
Ansicht sollte Herberhold beim Schriftdenkmalschutz in Württemberg-Hohenzollern stärker
an der Arbeit beteiligt werden. So könnten ihm etwa die angrenzenden Kreise Tuttlingen,
Rottweil, Balingen auch Tübingen, Reutlingen, Münsingen in Anlehnung an den Landespfleger
übertragen werden. Miller jedoch beanspruchte die Leitung in der Sache'6''. Mit zwei
83 StAS Wü 80 Nr. 398 (13. August 1947).
84 2.um Schutz der Gemeindearchive wird ersucht, deren Beaufsichtigung besondere Sorgfalt zu widmen
, deren Wert in den Bestandsverzeichnissen vorzumerken, deren Vollständigkeit alljährlich einmal
nachzuprüfen und bei UnVollständigkeit unter Benennung des verantwortlichen Beamten an die Gemeindeaufsichtsbehörde
zu berichten. Fragen, die die fachliche Betreuung betreffen, sind an das Staatsarchiv in
Sigmaringen zu richten.
85 Siehe hierzu und zum folgenden Weber, Entwicklung (wie Anm. 75), S. 37f.
86 StAS Wü 80 Nr. 398 (12. November 1947).
87 StAS Wü 80 Nr. 398 (10. September 1946).
88 StAS Wü 119 T 2 Nr. 102 (17. Dezember 1947,20. Mai 1948).
89 Ich bin mir darüber klar, daß eine solche Lösung auch ihre Schwierigkeiten hat, da ich als Dienst- und
Rangälterer und, wenn Sie wollen, als Eingesessener beanspruchen müßte, die Leitung in der Sache zu haben.
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