http://dl.ub.uni-freiburg.de/diglit/zhg1998/0348
Neues Schrifttum
und Weißenburg. Ähnliches läßt sich wohl auch für die Priesterbrüder sagen: Ulrich Rindkauf
ist 1276 und 1280 in der Kommende seiner Heimatstadt Freiburg nachzuweisen, dann in
Beuggen, 1293 in Rufach (in der nur kopial überlieferten Urkunde ist sein Name zu Vintloff
entstellt), 1298 in Gebweiler, 1300 wieder in Freiburg. Die Konvente dürften sich somit nicht
nur aus Brüdern zusammengesetzt haben, die aus der unmittelbaren regionalen Umgebung
der jeweiligen Kommende stammten.
Zieht man die Angehörigen der außerhalb des Elsaß gelegenen Kommenden der Bailei
Elsaß-Burgund in die prosopographische Betrachtung stärker mit ein, so fällt auf, daß manche
Familien aus dem Breisgau in einer oder zwei Generationen sehr stark im Deutschen Orden
vertreten waren, etwa die Küchlin mit dem erwähnten Rudolf, aber auch mit Heinrich
(Ordensbruder in Freiburg) und Konrad (Komtur in Gebweiler und Ordensbruder in Freiburg
), die Biengen mit Berthold (Ordensbruder in Freiburg), Heinrich (Ordensbruder und
Komtur in Sumiswald, Freiburg und Beuggen) sowie mit Nikolaus (Komtur in Gebweiler)
oder - um eine weitere Familie zu nennen - die Opfingen mit Albert (Ordensbruder in Rufach
und Gebweiler), Heinrich (Komtur von Altshausen) und Johannes (Ordensbruder in Freiburg
). Dies spricht vielleicht doch für eine gewisse »genealogische Exklusivität« des Deutschen
Ordens, während Planta zwar wie erwähnt durchaus die familiären Beziehungen der
Ordensbrüder untereinander zu würdigen weiß, aber dennoch meint, daß »die Häuser der
Ritterorden breiten Kreisen des kleinen Adels aus ihrer Umgebung« offenstanden. Allerdings
sind weitere Erkenntnisse hierzu wohl erst möglich, wenn nach dem Vorbild Peter Conradins
von Planta vergleichbare Forschungen zu Kommenden in anderen Regionen vorliegen.
Sigmaringen Volker Trugenberqer
Adel am oberen Neckar. Beiträge zum 900jährigen Jubiläum der Familie von Ow, hg. von
Franz Quarthai und Gerhard Faix. Tübingen: Bibliotheca-Academica-Verlag 1995. 594 S.,
zahlreiche Abb.
Adel am oberen Neckar - der Haupttitel ist zu weit gefaßt und doch zu eng. Denn der vorliegende
Band stellt nicht die Adelslandschaft am oberen Neckar vor, beschäftigt sich nicht mit
den vielen Adelsfamilien, die die Geschichte dieses Raumes im Mittelalter und der frühen
Neuzeit prägten, wie etwa die Ehingen, die Neuneck oder die Megenzer, um nur drei zu nennen
. Nein, im Mittelpunkt des vorzustellenden Bandes steht eine einzige Familie: die Familie
von Ow. Doch der Band ist nicht nur eine Familiengeschichte, wie sie um die Jahrhundertwende
Theodor Schön geschrieben hat, sondern bietet eine umfassende Darstellung des Selbstverständnisses
, der Kultur, Lebensweise, aber auch der Herrschaft einer Adelsfamilie am konkreten
Beispiel.
Natürlich darf die Familiengeschichte nicht fehlen: Johann Ottmar zeigt die Grundzüge
auf, Hans Harter macht wahrscheinlich, daß die heutigen, auf eine Ministerialenfamilie des
13. Jahrhunderts zurückgehenden Herren von Ow tatsächlich eines Stammes sind mit den
1095 und in den folgenden Jahrzehnten genannten gleichnamigen Edelfreien. Geradezu spannend
sind Harters Ausführungen zum Minnesänger Hartmann von Aue, den er wieder an den
oberen Neckar zurückholt, nachdem die Germanistik in den letzten Jahrzehnten Hartmanns
Heimat in der Freiburger Gegend vermutet hatte. Zusätzlich zu den Argumenten, die Harter
in diesem Zusammenhang anführt, wäre noch die Tatsache zu nennen, daß es im 13. Jahrhundert
einen Hermann von Ow gab. Denn in dieser Zeit vergaben Adelsfamilien - wie das Beispiel
der Grafen von Württemberg zeigt - die Vornamen Hartmann und Hermann (wohl wegen
der Alliteration) gerne parallel oder im Generationenwechsel. Auch Gerhard Kittelherger
334
http://dl.ub.uni-freiburg.de/diglit/zhg1998/0348