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Hans-Dieter Lehmann
WIE ABER KÖNNTE DER NAME UDELHILD AN DAS
HAUS URACH GEKOMMEN SEIN, AUS WELCHEM ER AN
DIE ZOLLERN WEITERGEREICHT WURDE29?
Offensichtlich war beim Tod des Gründers Egino der Burg Achalm dessen gleichnamiger
Sohn noch recht jung, denn sein Onkel Rudolf führte den Bau zu Ende. Er teilte
das gemeinsame Erbe der Eltern mit dem Neffen nach dessen Volljährigkeit. Es ist
denkbar, dass entweder schon der Gründer der Burg Achalm eine Tochter Ulrichs I.
des Reichen von Lenzburg geheiratet hatte oder dass der jüngere Egino von seiner
Großmutter Mathilde aufgezogen sich seine Frau aus deren neuer Familie, d. h. aus
der der Kastenvögte von Schänis gewählt hat. Kirchenrechtlich wäre gegen eine Heirat
mit einer vor 1045 gestorbenen Udelhild als Tochter des Ulrich I. des Reichen aus
erster Ehe nichts einzuwenden, da die Partner in dieser Ehe nur weit entfernt (7 + 6
Generationen) miteinander blutsverwandt waren. Wenn Eginos Nachfolger im Investiturstreit
auf der gleichen Seite wie sein Verwandter Ulrich II. von Lenzburg stand,
wird auch verständlich, warum Graf Liutold von Achalm die Grafen von Gammer -
tingen den Uracher Eginonen vorzog als Erben der Burg und Grafschaft Achalm.
Dieser Ulrich II. war ein Anhänger König Heinrichs IV: 1077 setzte er auf seiner
Lenzburg den Legaten des Papstes Gregor VII. fest.
Namenbündel mit Parallelen zwischen Schwäbischer Alb und Voralpenraum legen
die hier vermuteten Zusammenhänge nahe. Besitznachbarschaften machen sie plausibel
. Der Besitz der Burchardingischen Herzöge von Schwaben im Raum der Schwäbischen
Alb und ihrem Vorland war über die Berta von Schwaben an die Burgundischen
Weifen gegangen. Als Erbe der Töchter Gerberga und Mathilde König Konrads
von Hochburgund bildete er die Ausgangsbasis für die Territorien der Grafen von
Achalm, Urach, Gammertingen und der Herzöge von Zähringen an der Schwäbischen
Alb und findet sich auch bei den Staufern als Frauenerbe der Königin Gisela
und deren Enkelin Agnes.
Die Anlage zeigt verwandtschaftliche Beziehungen im Hochadel des Reichsteiles
Schwaben vom 9. bis zum 12. Jahrhundert auf. Die Namen BERTA, MATHILDE,
GERBERGA (GEPA), ALBERADA und UDELHILD sowie ARNOLD und
ULRICH, die in diesem Geflecht immer wieder erscheinen, sind darin durch Großbuchstaben
hervorgehoben. Die Tafel macht deutlich, dass auf der Basis von Burchar-
dinger Besitztiteln an und auf der Schwäbischen Alb - vererbt über die Berta von
Schwaben und ihre Enkelinnen Gerberga und Mathilde - sich im 11. Jahrhundert
Territorien entwickelt haben.
29 Auch die Schwester der Udelhild trug einen sehr seltenen Namen: Diese Alberada war
Äbtissin von Lindau. Eine Alberada war eine Tochter der in zweiter Ehe mit König Ludwig IV
von Frankreich verheirateten Gerberga, benannt nach der Mutter ihres ersten Mannes, Herzog
Giselberts von Lothringen. Die Eltern von Egino III., Udelhild und Alberada - Egino II. und
die Ezzonin Kunigunde - waren somit sehr entfernt mit einander verwandt: einerseits über die
Mathilde von Burgund und andererseits über die Mutter Gerberga des Herzogs Otto III. von
Schwaben aus dem Haus Schweinfurt.
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