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Das große Sterben in Hohenzollern
Der Patron der Friedhofskapelle, der hl. Erhard, gilt in der hiesigen Gegend als
Krankenpatron. Als Stadtpatron von Regensburg wurden seine Reliquien bei drohender
Pest in Prozession durch und um die Stadt getragen. Mehrmals wurde dadurch
der Pest Einhalt geboten. 1363 wird die Kapelle in Trochtelfingen erwähnt, und 1367
wird zu Ehren des heiligen Kreuzes und St. Erhard eine Stiftung gemacht. 1413 wird
außerdem eine Erhardskaplanei eingerichtet165.
Es kann sein, dass in früherer Zeit ein Sebastiansaltar in der Kirche war, denn 1529
soll es eine Sebastianskerze gegeben haben166. Zu späterer Zeit wurde ein Sebastiangemälde
von dem Maler Franz Josef Spiegier um 1750 (1745) für die Martinskirche
gemalt. Dieser Sebastian ist nicht der einzige von diesem Künstler167. Zu beachten
wäre auch der hl. Sebastian auf dem Wandgemälde von 1480 an der inneren nördlichen
Langhauswand. Außer ihm ist noch ein anderer Pestheiliger in seiner Nähe dargestellt
: der hl. Bernhardin von Siena. Dieser Heilige hat bei der Pest von 1400 im Spital
Santa Maria in Siena die Pestkranken gepflegt, als täglich 12-18 der Pest zum
Opfer fielen.
3.30 Veringendorf
Die Pestgeschichte Veringendorfs setzt sich aus unterschiedlichen Begebenheiten
zusammen. Es gibt wenig Geschichte168, mehr Legende, etwas zur Kunstgeschichte
und ein bemerkenswerter Fund. Zunächst wäre zu überlegen, ob die Pest in den Jahren
Mitte des 14. Jahrhunderts jenen Ortsteil, der nördlich des so genannten Mühlkanals
, also das Oberdorf, entvölkerte. In der „Breite", in der Nähe des Bahnhofsgeländes
, sollen die Pesttoten ihr Grab gefunden haben.
Wie sich die Bevölkerungszahlen änderten, lässt sich nirgends feststellen. Wieviele
in den Pestjahren 1611 und 1635 der Seuche zum Opfer fielen, ist nicht bekannt.
Jedenfalls waren 1680, als die Steuerpflichtigen gezählt wurden, 26 Häuser bewohnt
und einige standen seit dem Dreißigjährigen Krieg leer. Entweder auf das eine oder
andere Jahr gehen die Funde von Skeletten am Schwanenberg in einem Garten
zurück.
In dem, was über den Nepomukturm erzählt wird, treffen zwei Überlieferungen
zusammen: Zum einen soll dieses Türmchen nach der Pest von 1640 errichtet worden
sei, in der ebenfalls die Bevölkerung des Oberdorfes ausstarb. Zum anderen kann aus
der Geschichte der nahen und ferneren Gegend nirgends ein Pestjahr von 1640 gefunden
werden. An das Aussterben im 14. Jahrhundert soll ein Bildstöckchen auf der
Brücke erinnern. Den Namen erhielt das Türmchen von Johannes Nepomuk, der in
einer Nische im Türmchen steht. Außerdem ist eine Pieta zu sehen und die Inschrift:
165 Wetzel (wie Anm. 32) S. 106; Eisele (wie Anm. 116) S. 10.
166 Ebd. S. 146.
167 Kolb (wie Anm. 90).
168 Franz Gluitz: Dorf und Stadt Veringen. Karlsruhe 1972; Ders.: Veringen das Dorf, o. O.
[Karlsruhe] 1977; Gerda Henselmann: Geschichte und kunstgeschichtliche Zeugnisse in Ver-
ingenstadt und Veringendorf. PH Freiburg 1969.
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