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Wolfgang Hermann
die aber auch für 45 kr. vom gleichen Schlosser repariert werden mußten. Offenbar
waren in Sigmaringen den Bürgerwehren Flinten zugesichert worden, die abgeholt
werden konnten. Das geht aus einer Gebührenrechnung von Bürgermeister Maier
hervor, der vom Gemeinderat ausgeschickt worden war, um dort zwischen dem 7. und
10. Juni Gewehre abzuholen46. Tagegeld und Auslagen betrugen 12 fl. 59 kr.
Fischingen bewaffnete sich bei Krämer Joseph Gförer in Empfingen im Juni 1848
mit 25 lb. Pulver ä 40 kr. und Kapseln für 6 kr.47. Ahnliche Einkäufe erfolgten auch
in Glatt, beispielsweise zahlte man am 18. Juni 1848 dem Kaufmann Bossenmaier in
Dettingen 5 fl. 42 kr. für 1500 Kapseln zum Gebrauch des Bürgermilitärs48. Für das
Bürgermilitär in Glatt fertigten Anton Göttler und Gebhard Bieger je 32 Spieße an,
wofür jeder 24 fl. 24 kr. erhielt49.
Nachdem in Haigerloch der Ruf gegen die angeblich eingebrochenen Franzosen
erklungen war, bemühten sich die Bürgerwehroffiziere um die nötige Bewaffnung
und sorgten dafür, daß die Handwerker ihre Rechnungen bei der Stadt einreichen
konnten, um von der Stadtkasse ihre Aufwendungen ersetzt zu erhalten50.
Vom 24. April 1848 stammt die Rechnung des Sebastian Bernhard, eines Blech-
und Messingarbeiters, der am 24./25. März 400 Stück Bleikugeln geliefert hatte. Er
benötigte dazu 12 3A Pfd. Blei, jedes zu 12 kr. Er stellte 2 fl. 33 kr. in Rechnung, was
beweist, daß er für die Anfertigung selbst nichts verlangte.
Für die am Zug Beteiligten gab der Händler R. Hurm am 24./25. März Pulver,
Zündhütchen und Schrot ab und stellte die benötigten 58 kr. der Stadtkasse am
9. September 1848 in Rechnung.
Nach dem vergeblichen Einsatz gegen die „Feinde" wollte die Bürgerwehr weiter
aufrüsten. Wochen später, im Mai und dann noch im November 1848 - jetzt war die
gesetzliche Regelung erfolgt - befassten sich die Messerschmiede Büchle und Zeiser
mit Reparaturen an ca. 18 Gewehren. Für ein Mustergewehr verlangten sie 18 fl. Es
waren aber viele Streiter nicht mit Gewehren ausgestattet, so dass sie sich mit umgearbeiteten
Sensen bewaffneten. Diese wurden als Stichwaffen benutzt. Kupferschmied
L. Müller stellte seine Rechnung am 21. Dezember 1848 aus, die sich auf die
Umrüstung von 17 Sensen Ende März 1848 bezog (15 fl. 38 kr.). Ähnliches geschah
auch im April 1848, als 15 solcher Sensen gerichtet wurden, sie jedoch etwas später
wieder in den früheren Zustand zurückversetzt wurden.
Der altmodische Zustand in der Bewaffnung der Bürgerwehr ließ die Verantwortlichen
nicht zur Ruhe kommen. Daher nahmen sie ihren Einfluss auf die politischen
Gremien der Stadt wahr und erreichten, dass Teile des Stadtrates auf den Bürgerwehrleutnant
und Kronenwirt Bürkle hörten und Braumeister Waidmann am 17. Juni
1848 nach Sigmaringen schickten, um dort in der Kaserne Gorheim Gewehre abzuholen
. Er benötigte dazu drei Tage und wollte dafür mit 15 fl. entschädigt werden. Die
Stadt gab ihm am 3. Juli 1848 jedoch nur 12.
46 GABet, Beilage zum Rechnungsband von 1848/49, Nr. 109 vom 12. 6.1848.
47 GAFi, Beilage zum Rechnungsband von 1848/49, Nr. 84.
48 GAG1, Kassenjournal von 1848/49 zum 18. 6.1848, S. 3.
49 GAG1, Kassenjournal von 1847/48 zum 29. bzw. 30. 4.1848, S. 77 und 99.
50 StadtA Haigerloch, Beilagen zum Rechnungsband von 1848/49, Nrn. 202-215.
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