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Severin Beck und der Wehrsteiner Kreis
Vom 19. Mai 1849 stammt eine Akte aus der Oberamtsstadt Haigerloch, die sich
mit einer Zahlung von je 8 fl. für sieben Soldaten befaßt, die laut Feststellung des
Stadtrates E. Keßler <...> nach Schleswig zum Abmarsch bestimmt sind208. Es war
noch nicht bis Haigerloch vorgedrungen, daß der Aufmarschplan geändert war, und
die Hohenzoller gar nicht in den Norden ziehen mußten. Bei den sieben Männern
handelte es sich um Joseph Maurer, Andreas Hirschbühler, Paul Bruck von Gruol,
Hermann Steher aus Weildorf, Xaver Sommer, Michael Levi und Conrad Edelmann.
Die unterzeichnenden 18 Stadtvertreter beschlossen eine Geldhilfe von 56 fl.,
meinten aber, eine Kollekte müsse den Betrag im wesentlichen erbringen, damit die
Stadtkasse nur einen kleinen Teil zu zahlen hätte. Am 19. Mai ließ Bürgermeister
Back jeden Vaterlandsfreund bitten, nach Kräften zur Unterstützung der Bürgersöhne
beizutragen. Für den Beitrag je Mann von 8 fl. gab er folgende Erklärung: Die vom
Oberland zurückgekommene Deputation hat bei mir angezeigt, daß das Oberland-
Militär durch Colectar 3 bis 4 Kronentaler bekomme <...>. Drei Kronentaler entsprachen
etwas mehr als 8 fl.209.
Der Aufruf stieß auf eine gute Resonnance. Die erhaltene Spendenliste gibt die
persönlichen Namenseinträge und den gespendeten Betrag wider. 126 Bürger trugen
sich ein, unter ihnen 45 jüdische. Dieser Anteil eines starken Drittels zeigt, daß es
nicht nur um die Solidarität wegen des einen jüdischen Soldaten ging. Vielmehr
wollte - noch in hohenzollerischer Zeit - die Judenschaft ein nationales Zeichen setzen
, um sich die rechtliche Gleichstellung mit den Nichtjuden zu erstreiten.
1 fl. u. mehr
30 kr. - 24 kr.
18 kr. - 15 kr.
12 kr.
9 kr.
6 kr.
3 kr.
Christen-
Anzahl
8
15
12
25
2
19
Juden
11
11
10
2
10
1
Es zeigt sich, daß die Wohlhabenheit in geringerer Personenzahl vertreten war; der
Anteil der Spender, die nur zwischen 6 kr. und 12 kr. aufbrachten, betrug fast die
Hälfte von allen. Von den wohl begüterteren Bürgern beteiligten sich Revisor Müller,
208 StadtA Haigerloch, Beilagen zum Rechnungsband 1848/49 (arch. Bd.Nr. 104), Nrn. 233,
234. Es sind mehrere Teile. Die Nr. 233 berichtet von Unterstützungsbeiträgen (Reisekosten
nach Sigmaringen) in Höhe von je 1 fl. 30 kr. an 9 Rekruten, die in der ersten Monatshälfte
März bzw. Mai 1849 ihren Dienst antreten sollten. Zuerst genannt sind Januar Jetter, Xaver
Sommer, Josef Schäfer, Theodor Stiefel und Xaver Göttling, später Konrad Edelmann, Joseph
Maurer und Andreas Hirschbühler. Alle quittierten den Erhalt persönlich. Die Gemeindevertreter
hofften, die Summe von insgesamt 13 fl. 30 kr. von der Bezirkskasse erstattet zu bekommen
, was aber offenbar nicht geschah.
209 Wolfgang Trapp: Kleines Handbuch der Münzkunde und des Geldwesens in Deutschland
, Stuttgart 1999, S. 94. Der österr. Kronentaler wurde auch seit 1809 in den süddt. Ländern
nach einem 24 xli Gulden-Fuß geprägt, was einem Zwangskurs von 162 kr. je Kronentaler entsprach
. In welchem „Oberland", in welchem die Erinnerung an die österr. Kronentaler fortbestand
und sich die zitierte Delegation aufhielt, ist nicht ersichtlich.
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