Universitätsbibliothek Freiburg i. Br., ZG 1563
Hohenzollerischer Geschichtsverein [Hrsg.]
Zeitschrift für Hohenzollerische Geschichte
43(128).2007
Seite: 124
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http://dl.ub.uni-freiburg.de/diglit/zhg2007/0136
Wolfgang Hermann

der einmal eine Volksversammlung <...> von unserem Reichstagsabgeordneten abgehalten
werden soll. Der Anschluß an Baden wird dabei das Hauptthema bilden. Und
da der Verfasser infolge der Versammlung Komplikationen für Hohenzollern fürchtete
, beschloß er: Aber freilich (wird) die verfluchte Eitelkeit des Reichswühlers auch
eine Rolle zu spielen - die werden wir wieder theuer genug bezahlen können225. Mit
diesem Reichswühler meinte er226 gewiß Carl Otto Wurth, der in Gammertingen
dann auch redete. Wie W. v. Hippel meint, versuchte Würth „die Volkswehren in den
Hohenzollernschen Fürstentümern für die badische Revolution zu mobilisieren",
wenn auch vergeblich227. Ihm ging es dort um speziell in Sigmaringen virulente Fragen
, die mit der Selbstverwaltung der Gemeinden, der direkten und indirekten
Besteuerung, den Domänen, den Organisationsformen des eigenen und dem fremden
Militär zusammenhingen228. Die politisch bedeutsamste Forderung war diese, die
fürstliche Regierung solle für die Durchführung der Reichsverfassung in den Krieg
ziehen229. Dazu paßt noch, daß im Beiblatt des Sigmaringer Verordnungsblattes230
Anfang Juni 1849 ein Kaufmann aus Mengen namens Val(entin) Schneider 400-600
Musketen den noch unbewaffneten Bürgerwehren anbieten konnte. Wenige Wochen
später aber konnte die Reaktion militärisch auch von Hohenzollern aus gegen die
badischen Freiheitskämpfer vorgehen.

Die antirepublikanische Auffassung des Verordnungs- und Anzeigeblattes wurde
alsobald verbreitet231. Dabei wurde über die Demokraten und Republikaner folgendermaßen
geurteilt: Der schändlichste Terrorismus, Unsicherheit der Person und des
Eigenthums, Aufhebung der Rede- und Preßfreiheit ist der Zustand, den jene Gaugier
unter dem Panier der Freiheit, Brüderlichkeit und Gleichheit eingeführt haben.
Dieser Zustand ist dem Volke bekannt. Deßhalb haben viele Gemeinden ihre Abgeordnete
speciell instruirt, wider den Anschluß an die Dinge in Baden zu protestieren.
Als beteiligte Hohenzollern in Reutlingen nennt Gönner den Hechinger Stadtschultheißen
Ruff und als solchen in Gammertingen Lehrer Beck aus Betra232.

Am 6. Juni verließ die Linke die Frankfurter Paulskirche und ging nach Stuttgart,
wo auch der Abgeordnete Carl Otto Würth seinen Platz einnahm. Sie erklärte die bisherige
Reichsregierung für abgesetzt. Sie ernannte an ihrer Stelle eine fünfköpfige
Reichsregentschaft und rief das Volk zum Kampf für die Durchsetzung der Reichsverfassung
auf233.

225 VAzBlS, Beiblatt Nr. 22, v. 3. 6. 1849, S. 162.

226 Der angesprochene Verfasser war vielleicht der Konditor Xaver Seelos aus Sigmaringen,
und Vorstand des Konstitutionellen Vereins. Er zeichnete sich als Gegner der radikalen Demokraten
aus. Vgl., Weber, Stätten der Demokratiebewegung, S. 572.

227 V Hippel (wie Anm. 85), S. 329.

228 Rieber (wie Anm. 129), S. 37-72; Gönner in: Kallenberg (Hg.) (wie Anm. 138), S. 300.

229 Burkharth (wie Anm. 129), 224, S. 119.

230 Beiblatt vom 3. Juni zum VAzBlS Nr. 22.

231 VAzBlS, Beiblatt Nr. 23, vom 10. 6.1849, S. 167-170, 170-172.

232 Gönner (wie Anm. 16), S. 154-155.

233 Ebd. S. 157.

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