Universitätsbibliothek Freiburg i. Br., ZG 1563
Hohenzollerischer Geschichtsverein [Hrsg.]
Zeitschrift für Hohenzollerische Geschichte
43(128).2007
Seite: 243
(PDF, 57 MB)
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http://dl.ub.uni-freiburg.de/diglit/zhg2007/0255
Der Fall Otto Nerz - ein sporthistorisches Märchen

nach möglichen Spielern für den nächsten Nachwuchslehrgang der nationalen Mannschaft
. Beim Spiel gegen die Tschechoslowakei am 27. September in Prag saß Nerz
wieder auf der Bank, Herberger führte die B-Auswahl in Krefeld in das Spiel gegen
Luxemburg.

Dem Berliner „12 Uhr Blatt" gab Nerz in Prag ein Interview. Sehen Sie, das ist alles
noch ganz ungeklärt, antwortete er auf die Frage nach seinem Posten: Fest steht, daß
ich als angestellter Reichstrainer ausgeschieden bin, ich habe ja ein großes Arbeitsgebiet
in Berlin jetzt. Aber von einem Wegtreten [...] ist noch keine Rede.

Auch Herberger sah die Zukunft nicht klarer. Er fand die Situation geradezu
komisch. Sogar Glückwünsche trudelten bereits ins Haus, schrieb er nach der Meldung
in der Arbeitsfront-Zeitung am 30. September unvermindert freundlich und mit
beste[m] Gruß an Otto Nerz. Die komische Seite muss man Herberger abnehmen.
Von Anfang an habe ich aller Welt erklärt, daß die Nachricht von meiner Berufung
nicht offiziell sein könnte, stellte er am 7. Oktober31 in einem Schreiben an Fußball-
Boss Felix Linnemann klar. Er fügte verständlicherweise hinzu, dass er starkes Interesse
an einer endlichen Klarstellung habe. Anlass des Schreibens war der Arger im
Fachamt über einen neuen Zeitungsartikel zur Trainerfrage.

Der 10. Oktober nahte und damit die Englandreise der Nationalmannschaft. Am
14. Oktober trat die Elf in Glasgow gegen Schottland (0:2) an32 und am 17. Oktober
in Dublin gegen Irland (2:5). Herberger war nicht dabei, aber Nerz als Reichstrainer.
Nerz war auch Leiter eines Lehrgangs an der neuen Reichsakademie in Berlin vom 26.
Oktober bis zum 7. November. Herberger war sauer, weil er nicht eingeladen war, aber
über den Westdeutschen Spielverband kam er doch nach Berlin. Das schmeckte Nerz
nicht, im Westen fiel deshalb ein Lehrgang aus. Er übersah mich geflissentlich [und]
überging mich auch im Kreise der Sportlehrer und der Nationalmannschaft, fand
Herberger.

Trotzdem redeten sie miteinander. Am 30. Oktober sprach Herberger Nerz auf seine
Ernennung zum Reichstrainer an. Nerz windet und wendet sich, druckst herum
und findet schwer zu einer Antwort. Er schimpft über alle und alles. Besonders Linnemann
ist das Ziel seiner Angriffe, notierte sich Herberger danach. Nerz war unzufrieden
, auch er wartete. Der Mann über ihm war seine Zielscheibe. Immerhin war die
Neuordnung des Fachamts Fußball jetzt schon drei Wochen über der im „Angriff"
genannten Zeit. Aber selbst der Fachamts-Leiter war ahnungslos. Es sei noch nichts
entschieden. Er könne noch nichts sagen, antwortete Linnemann, als ihn Herberger
am 31. Oktober fragte.

Felix Linnemann fehlte die Nachricht von Reichssportführer Hans von Tschammer
und Osten, der seit dem April sein Chef im Reichsbund war. Bei ihm lag die Entscheidung
. Anfang November 1936 war sie da. Im Einvernehmen mit der Reichssportführung
verbreitete Linnemann die Bekanntmachung zur Neuregelung der

31 Leinemann (wie Anm. 4) S. 132f.: 07.10.1936. Schwarz-Pich (wie Anm. 2) S. 121:
06.10.1936.

32 Nach Krämer (wie Anm. 3) S. 167 hatte die Breslau-Elf von 1937 am 10.10.1936 bei der als
glanzvoll empfundenen 0:2-Niederlage ihre „Geburtsstunde".

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