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Die jüdische Gemeinde Dettensee
Für seinen Nachfolger Aron Friedmann305 war 1888 Dettensee die erste Lehrerstelle.
Friedmann maß, zumindest anfänglich, dem Lehrerberuf nicht den nötigen Ernst bei.
Am 28. März 1889 beschwerte sich die Witwe Auguste Weil geb. Ottenheimer (1824-
1901) über Friedmann. Er betreibe seit seinem Hiersein Kuppeleien und vernachlässige
deshalb gänzlich den Unterricht, erscheine nicht vor halb neun in der Schule und
schenke wegen eigener Angelegenheiten den Kindern nicht die notwendige Aufmerksamkeit
. Nach kaum einer Stunde Unterricht mache er Pause, um sich bei den Frauen
des Ortes über den neuesten Klatsch zu informieren. 1895 bat Friedmann um seine
Entlassung aus dem Schuldienst, um eine Familie zu gründen. Durch die Abnahme der
Schülerzahlen habe sich seine finanzielle Lage seit 1889 immer mehr verschlechtert,
nun habe sich die günstige Gelegenheit ergeben, dass er auf die israelitische Lehrerstelle
in Kiel wechseln könne306.
1896 folgte ihm der damals 29 jährige Hermann Heinemann307, für den Dettensee
ebenfalls die erste Stelle war. Heinemann bat 1901, bei nur noch sechs zu unterrichtenden
Kindern, um die Übertragung einer anderen israelitischen Lehrerstelle. Die Suche
in den Bezirken Kassel, Hannover und Osnabrück hatte wegen des Rückgangs israelitischer
Schulen keinen Erfolg, und man gab ihm den Rat, er solle selbst nach einer geeigneten
Stelle suchen. Am 30. April 1902 wurde mit dem Ende des Schuljahres die
jüdische Schule aufgelöst und die fünf verbliebenen Kinder von Lehrer Eberhart in die
öffentliche Volksschule übernommen308.
10.3 Die Räumlichkeiten der Schule
1826 wurde die israelitische Schule in dem Gebäude untergebracht, das bis 1820
(siehe Kapitel 12) als Synagoge gedient hatte. Die Größe der Schulstube betrug ca. 5,3
m x 4,8 m bei einer Raumhöhe von 2,45 m. In zwei Reihen mit je 6 Schulbänken muss-
ten anfangs ca. 25 Kinder und der Lehrer Platz finden. Die Lehrerwohnung befand sich
in der ehemaligen Hausnummer 58309. 1835 strebte die jüdische Gemeinde den Bau
305 Geb. 24.2.1867 in Hainsfarth bei Öttingen im Ries: Standesamt Horb am Neckar: Heiratsregister
der Gemeinde Dettensee (1874-1899), J. 1896 Nr. 3. - Gest. 27.11.1934 in Ingolstadt: Stadtarchiv
Ingolstadt, Zeichen IV/47-458/Ha: Jüdische Personen- und Familienforschung. Brief an Herbert
Zander (27.11.2001).
306 StAS, Ho 235 T 26-28 Nr. 1375 (wie Anm. 299), Israelitische Schule (1846-1904).
307 Geb. um 1869 in Riede, heute ein Ortsteil von Bad Emstal, bei Kassel: StAS, Ho 235 T 26-28
Nr. 1375 (wie Anm. 299), Israelitische Schule (1846-1904). - Bundesarchiv, Gedenkbuch (wie
Anm. 1), Bd. 2, S. 1247. Nathan Heinemann, geb. 10. Juli 1869 in Riede, deportiert von Frankfurt
a. Main am 18. August 1942, nach Theresienstadt, am 23. September 1942, in das Vernichtungslager
Treblinka.
308 StAS, Ho 235 T 26-28 Nr. 1375 (wie Anm. 299), Israelitische Schule (1846-1904).
309 1904 wurde die Wohnung als „ehemalige Lehrerwohnung" verkauft. Es ist jedoch nicht sicher,
ob sie immer als Lehrerwohnung gedient hatte: Notariat Haigerloch (wie Anm. 283), Grundakte
Nr. 120.
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