Universitätsbibliothek Freiburg i. Br., ZG 1563
Hohenzollerischer Geschichtsverein [Hrsg.]
Zeitschrift für Hohenzollerische Geschichte
45(130).2009
Seite: 118
(PDF, 60 MB)
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Herbert Zander

und der politischen Gemeinde abgeschlossen. Zur Synagoge hieß es, dass diese tunlichst
bald, längsten bis %um 1. April 1931 abgebrochen sein muss. Am 16. Januar 1930 kam es dann
zur Versteigerung der Synagoge auf Abbruch, den Zuschlag erhielt Johann Baptist Kronenbitter
für sein Höchstgebot von 430 RM358. Am 19. März 1930 war der Abbruch
anscheinend beendet359.

12.2 Inventar der Synagoge

Im Juli 1927 besichtigte der Landeskonservator Prof. Wilhelm Friedrich Laur die Synagoge
. Nach seinem Besuch vertrat er die Ansicht, dass vom Standpunkt der Denkmalspflege
einem Abbruch nichts im Wege stehe, denn der Bau aus dem 19. Jh. besitze
keine besonderen Kunstwerke. Einzig die stark beschädigten Glaslüster sollten abgenommen
und aufbewahrt werden, da sie unter Umständen für die Landes Sammlung
von Wert sein könnten. Laur ließ Hermann Hirsch mitteilen, dass der Landesausschuss
bereit sei, die Glaslüster auf eigene Kosten abzunehmen und sie gegen einen angemessenen
Preis käuflich zu erwerben. Allerdings wurde Hirsch angeraten, keinen allzu hohen
Preis zu fordern360. Wieso eine Einigung nicht zustande kam, ist nicht bekannt. Informationen
über das weitere Schicksal der Glaslüster finden sich in der in der Familienchronik
Moritz Vierfelders361. Die Kandelaber der Dettenseer Synagoge wurden beim
Brand der Synagoge in Buchau in der Pogromnacht am 11. November 1938 zerstört.
Dazu heißt es: „Auch die wertvollen fünf Glaskandelaber aus venezianischem Glas aus
der Synagoge der vorher aufgelösten Gemeinde Dettensee bei Horb, die ich in mühevoller
Arbeit von über 200 Stunden, dank den Angaben unseres braven u. allzeit getreuen
Fritz Reichelt, Werkführer der Strickwarenfabrik Jakob Dannhauser,
zusammensetzen half, wurden ein Opfer der Flammen".

Wie die Kandelaber nach Buchau gekommen waren, ist nicht bekannt. Familiäre Beziehungen
Dettenseer Juden nach Buchau lassen sich jedenfalls nicht nachweisen. Die
Familie Michael Rosenheimer nahm bei ihrem Umzug nach Horb das Synagogensilber,
bestehend aus dem Toraschild, den Rimonim362 sowie dem Torazeiger an sich und

358 Nach der Versteigerung kam es zu Meinungsverschiedenheiten innerhalb der christlichen Gemeinde
. Zum einen wurde die Frage gestellt, ob Johann Kronenbitter als Gemeinderatsmitglied überhaupt
berechtigt gewesen war, an der Versteigerung teilzunehmen. Zum anderen wurde der Verkauf
von Abbruchsteinen nach auswärts als Verletzung der Versteigerungsbedingungen angesehen. Von
staatlicher Seite wurden die Versteigerung und der Verkauf der Steine als rechtmäßig erachtet: StAS,
Ho 13 T 1 Nr. 1380 (wie Anm. 217), Synagoge (1921-1930).

359 StAS, Ho 13 T 1 Nr. 1380 (wie Anm. 217), Synagoge (1921-1930).

360 Ebd.

361 Charlotte Mayenberger: Moritz Vierfelder. Leben und Schicksal eines Buchauer Juden.
(Geschichte und Kultur / Landkreis Biberach Bd. 4.) Biberach 2000, S. 69.

362 Aufsetzer für die Torarolle.

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