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Die jüdische Gemeinde Dettensee
rettete es damit vor der Zerstörung. Michaels Sohn Max nahm es bei der Flucht vor
den Nationalsozialisten mit in die USA und stiftete es 1971 dem wenige Jahre zuvor
gegründeten Sylvia Plotkin Judaica Museum der Gemeinde Beth Israel in Scottsdale, Arizona
. Das Dettenseer Silber ist seitdem Teil der Dauerausstellung des Museums363.
Einer der ehemaligen Stützpfeiler der Empore in der Synagoge wurde vom Dettenseer
Steinhauer Gustav Pfeffer zum Grabstein für den letzten in Dettensee begrabenen
Juden Hermann Hirsch umgearbeitet. Der zweite Pfeiler wurde in der Höhe erheblich
gekürzt und diente etliche Jahre als „Wiesenwalze"364. Die Eingangstür fand neue Verwendung
in der ehemaligen Schreinerwerkstatt von Johann Fischer, Neuneckstraße 47365,
Teile des Gebälks wurden in der ehemaligen Werkstatt Christian Staibs, Brandweg 6,
eingebaut366.
13. DIE MIKWE
Die verarmte jüdische Gemeinde war nach 1820 nicht in der Lage, die bestehende
Mikwe (das rituelle Frauenbad) renovieren zu lassen367. Dennoch wurden auf Veranlassung
der fürstlichen Landesregierung in Sigmaringen die Oberämter Haigerloch und
Glatt im April 1835 beauftragt, sich um die Einrichtung der Judenbäder zu kümmern.
In Absprache mit den Vorstehern der Judengemeinden sollte die Einrichtung der Bäder
den mosaischen Gesetzen gemäß beantragt werden. Die jüdische Gemeinde zeigte sich
sehr angetan von den vorgelegten Planunterlagen, wandte aber ein, es sei ihr unmöglich,
die Kosten von 105 fl. 41 xr. aufzubringen. Obwohl es finanziell noch nicht abgesichert
war, wurde das Tauchbad, wie es in den Planunterlagen bezeichnet wird, am 15. Juni 1836
im Schwarzwälder Boten in Sulz öffentlich ausgeschrieben. Mit einem Darlehen der
Leihkasse Sigmaringen wurden die Arbeiten im August 1837 abgeschlossen368. Errichtet
wurde das Gebäude am südöstlichen Ende des Synagogengrundstückes369.
363 Cornelia Hecht: Jüdisches Leben in Hohenzollern. Eine Ausstellung in der ehemaligen Synagoge
Haigerloch, hg. v. Haus der Geschichte Baden-Württemberg. Stuttgart 2004, S. 62 f.
364 Herbert Zander: Gespräche zur Ortsgeschichte, u.a. über den Grabstein des Hermann Hirsch,
mit Maria Arndt, geb. Pfeffer. Dettensee März 2007.
365 Herbert Zander. Gespräche zur Ortsgeschichte, u.a. zur Judengeschichte, mit Anton Lugibihl. Dettensee
1980-1985; Siehe auch: Alte Synagoge e. V. Hechingen/Gesprächskreis ehem. Synagoge Haigerloch
/Heimatmuseum Bisingen/Initiative Gedenkstätte Eckerwald (Hg.): Möglichkeiten des
Erinnerns. Orte jüdischen Lebens und nationalsozialistischen Unrechts im Zollernalbkreis und im
Kreis Rottweil. Hechingen 1997.
366 Herbert Zander. Gespräche zur Ortsgeschichte, u.a. über die Synagoge, mit Ute Albers, geb. Staib.
Dettensee Oktober 2007.
367 Spier, Dettensee (wie Anm. 348), Teil 3.
368 StAS, Ho 201 T 1 Nr. 666: Fürstliches und preußisches Oberamt Glatt. Dettensee. Errichtung
eines Tauchbades für die Judenschaft in Dettensee (1821—1838).
369 Staatliches Vermessungsamt Freudenstadt (wie Anm. 275), Primärkataster (1846—1974).
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