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Hechinger Wünsche: 5 000 Mark für jeden
Das letzte Ziel war das Schloss. Fürst Wilhelm muss - anders als Graf Brühl - die Lage
in der Stadt an diesem Samstag gut beobachtet haben. Er ließ den Kriegsbeschädigten
noch auf dem Weg mitteilen, er warte schon seit 12 Uhr auf sie - eine Nachricht, die im
Zug erheblich für gute Laune gesorgt haben muss. Dies habe die Leute sehr erfreut, sagte
Friedrich später. Vier Männer gingen hoch zu Wilhelm. Das Gespräch habe einen schönen
Verlauf genommen, erinnerte sich Friedrich. Fürst Wilhelm verbreitete seine Version
vier Tage später am 5. Februar in den Tageszeitungen. Danach ergriff er das Wort
und erklärte, seine November-Spende sei von langer Hand geplant gewesen. Er habe sie
wegen des Kriegs-Zusammenbruch[s]Vorgezogen. Als Beihilfe oder augenblickliche Unterstützung
solle sie Be- und Geschädigten zugutekommen und natürlich auch schwerbeschädigten
Invaliden und Kruppel[n]. Er stehe als Privatmann nicht in der Pflicht und
habe die zwei Millionen Mark freiwillig gespendet, betonte Wilhelm. Die Verteilung
übernehme der Wohlfahrtsausschuss.
Die vier Vertreter der Kriegsbeschädigten übergaben ihre Wünsche schriftlich. In ihrem
Brief stand die Bitte um eine weitere Spende für Invaliden und Kriegshinterbliebene
und die Bereitstellung der Villa Eugenia in Hechingen als Kriegserholungsheim. Sie verlangten
auch, die Spende an eine Verwaltung zu überweisen, in welchefrj Kriegsbeschädigte
tätig sein sollen, wie dieses bereits beim Landesausschuss der Kriegsfürsorge der
Fall ist. Unterschrieben war die Petition von neun Männern, darunter Albert Kaibacher,
Dionys Schenk und Hermann Friedrich. Die Unterzeichner - aus jedem Oberamt mindestens
einer - waren anscheinend die in der Saalbau-Versammlung gewählten Deputierten
, die den Zug durch die Karlstraße angeführt hatten. Den Brief dürften Kaibacher
und Schenk bereits in Hechingen geschrieben haben. Er enthielt die am Sonntag zuvor
im Gasthaus Löwen in Hechingen beratenen Forderungen.
Wilhelm entgegnete, seine Spende sei in erster Linie für Kriegsbeschädigte, Invaliden
, Krüppel und Erwerbslose gedacht und keineswegs für alle: Damit glaube er, erledige
sich die Bitte um eine neue Spende. Uber die Villa Eugenia könne er nicht verfügen
, sie sei vermietet, fügte Wilhelm hinzu.
Die Kriegsbeschädigten versuchten zu retten, was zu retten war. Ein Vertreter im
Wohlfahrtsausschuss, Rentenzahlungen aus der Spende, die Bekanntmachung der
Empfänger, die Öffnung von Schloss Lindich - die Vorschläge sprudelten nur so aus ihnen
heraus. Wilhelm sagte zu, er werde die Wünsche prüfen lassen. Damit war die Audienz
vorüber.27
Die Demonstration löste sich auf, als die Delegation aus dem Schloss kam und sich
zufrieden mit dem Gespräch zeigte. Mit dem Zug um 16.36 Uhr fuhren die Kriegsbeschädigten
aus Gammertingen und dem Unterland zurück Richtung Hechingen. Viele
davon wenig befriedigt, glaubte allerdings der Sigmaringer Mitarbeiter der Hohenzol-
lerischen Blätter zu wissen.
27 Hohenzollerische Blätter Nr.29 vom 5.2.1919. - Der Zoller Nr. 29 vom 5.2.1919. - Fürst-Wilhelm-
Kriegs-Stiftungen (StASFASDS92T9NVANr.26377). Der Fürst hatte während des Krieges drei Regimenter
mit Spenden unterstützt und im Herbst 1918 eine Spende verworfen. Sein Hofkassenamt regte am
30.8.1918 die rechtzeitige Bereitstellung von Mitteln für den Fall einer weiteren Stiftung an, Wilhelm lehnte
ab.
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