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Politische Milieus und Wahlergebnisse in der Weimarer Republik
Im Zuge der Kreisreform und der Angleichung an das preußische Kreissystem wurden
1925 die Oberämter Sigmaringen und Gammertingen zum Kreis Sigmaringen und
die Oberämter Hechingen und Haigerloch zum Kreis Hechingen zusammengelegt,
womit die kriegsbedingte Zusammenlegung des Jahres 1916 auch de jure erfolgt war.9
Hohenzollern war eine finanziell bevorzugte Verwaltungseinheit innerhalb des republikanischen
Preußens, an deren Spitze ein Regierungspräsident stand. Der Regierungsbezirk
Sigmaringen hatte zahlreiche Verwaltungsbeziehungen zur preußischen
Rheinprovinz, unterstand dabei allerdings nicht dem Oberpräsidenten der Rheinprovinz
, sondern direkt den preußischen Zentralbehörden.
Im Folgenden soll den Wahlergebnissen im Oberamt Balingen und in den hohen-
zollerischen Oberämtern bzw. Kreisen in der Zeit zwischen 1919 und 1933 nachgegangen
und ein Vergleich gezogen werden. Diese werden dann zu den Ergebnissen des
Landes Württemberg und denen des Deutschen Reichs in Beziehung gesetzt. Gab es
ein unterschiedliches regionales Wahlverhalten bzw. signifikante Unterschiede und
welche Determinanten sind dafür verantwortlich und haben letztlich zum Aufstieg der
Nationalsozialistischen Deutschen Arbeiterpartei (NSDAP) geführt?
2. WAHLEN
Untersuchungsgegenstand sind neun Reichstagswahlen, jeweils fünf Landtagswahlen
in Württemberg und Hohenzollern sowie vier Wahlen zum Kommunallandtag in Hohenzollern
im Zeitraum zwischen 1919 und 1933.
Die wichtigsten Neuerungen des Wahlsystems der Weimarer Republik waren neben dem
Frauenwahlrecht und der Herabsetzung des Wahlalters von 25 auf 20 Jahre die Ablösung
des bisherigen Mehrheitswahlsystems durch ein Verhältniswahlrecht nach dem d'Hondt-
schen Wahlverfahren. Das Reich wurde 1919 in 38 Wahlbezirke eingeteilt. Württemberg
bildete dabei einen einzigen Wahlbezirk, auf den nach dem Verhältnis zur Bevölkerung 150
Mandate in der neu zu bildenden Verfassunggebenden Nationalversammlung entfielen.
Für die Landtagswahlen 1920 wurde Württemberg in 24 Wahlkreise unterteilt, die
jeweils aus zwei bis vier Oberämtern bestanden. Die Verteilung der 101 Mandate (1920)
wurde über ein kompliziertes Verteilungsverfahren berechnet, auf das nicht weiter eingegangen
werden soll.
Hohenzollern dagegen verlor auch aufgrund seiner geringen Zahl an Stimmberechtigten
, 1920 waren es 42000, seine Privilegierung als eigenständiger Wahlbezirk. Bei den
neun Wahlen zum deutschen Reichstag war Hohenzollern daher dem Wahlkreis 31
(Württemberg) zugeordnet, der bei den Wahlen zur Verfassunggebenden Nationalversammlung
am 19. Januar 1919 etwa 1,5 Millionen Wahlberechtigte aufwies. Bei den
sechs Wahlen zum preußischen Landtag war Hohenzollern Teil des Wahlkreises 21
(Koblenz-Trier) mit etwa 740 000 (1924) Wahlberechtigten.10
9 Dabei wurden die drei Gemeinden des Oberamtes Gammertingen - Meldungen, Ringingen und Salmendingen
- dem Kreis Hechingen zugeschlagen.
10 Kallenberg, Hohenzollern (wie Anm. 8), S. 197f. - Jürgen W. Falter, Thomas Lindenberger und
Siegfried Schumann: Wahlen und Abstimmungen in der Weimarer Republik. Materialien zum Wahlverhalten
1919-1933. München 1986, S. 23-28 und S. 70.
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