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Claus Graf Schenk von Stauffenberg und die Herzöge von Württemberg
Stauffenberg. Nach seinem Tod blieben Herzog Albrecht und Herzog Philipp Albrecht
mit der Witwe Gräfin Karoline eng verbunden. Herzog Philipp Albrecht stand auch
im Briefwechsel mit der Baronin Elsa von Falkenstein, einer engen Freundin der Gräfin
Karoline.148 Mitglieder der Familie Stauffenberg besuchten gelegentlich Herzog Albrecht
im Schloss Altshausen, wie sich anhand der Menübücher nachweisen lässt.149 Da
der Geburtstag des Herzogs am 23. Dezember fast mit Weihnachten zusammenfiel,
gratulierte ihm Graf Claus 1936 in einem Brief an den Hofmarschall und verband die
Glückwünsche mit guten Wünschen zum Jahreswechsel.150
Chef der Familie Stauffenberg war der in Greifenstein residierende Berthold Graf
Stauffenberg (1859-1944). Die ganze Familie verehrte ihn sehr, insbesondere Graf
Claus hatte ein gutes Verhältnis zu seinem Onkel.151 Da auch Graf Berthold die Monarchie
als einzige legitime Staatsform ansah, war er von Anfang an ein erklärter Gegner
des Nationalsozialismus und stieß gegen Hitler sogar Drohungen aus.152 Aus seinen
Briefen an Herzog Ulrich von Württemberg (1877-1944) wird seine monarchistische
Einstellung deutlich, denn er redete von Herzog Albrecht als dem Kronprinzen. Auch
wenn man den höfischen Ton der Briefe nicht übersehen kann, kommt doch die Ehrerbietung
gegenüber den Mitgliedern des Hauses Württemberg zum Ausdruck. Nach
wie vor wurde der Chef des Hauses Württemberg von den Familien des südwestdeutschen
Adels als oberster Repräsentant betrachtet. Andererseits machte Graf Berthold
aus seiner Ablehnung des Nationalsozialismus keinen Hehl. Als Herzog Albrecht im
Herbst 1936 einen Hofmarschall suchte, schlug der Graf mehrere Bewerber vor. Bei
Freiherr Franz von Gebsattel (1889-1945) wies er ausdrücklich darauf hin, dass dieser
absolut kein Anhänger des Dritten Reiches sei.153 Daraufhin ernannte Herzog Albrecht
den Freiherren zum Hofmarschall ab dem 1. Januar 1937.154 Damit rückte ein guter Bekannter
des Grafen Berthold und ein enger Freund seines Neffen Graf Claus in diese
148 Peter Thaddäus Lang: Der Luftangriff auf Laufen am 22. Februar 1945. In: Heimatkundliche Blätter
Balingen 42 (1995), S. 965-966.
149 AHW, Familienmitglieder, Herzog Albrecht (unverzeichnet): Menübuch, ca. 1936-1946. Zwei Mal
sind Mitglieder der Familie Stauffenberg unter den Gästen aufgeführt: 1) Berthold Graf Stauffenberg, Greifenstein
(23.9.1937), Identifizierung anhand des Briefes Bertholds Graf Stauffenberg an Hofmarschall
Franz von Gebsattel, 25.9.1937 (AHW Hofmarschallamt Herzog Albrecht: VI F); 2) Exzellenz Gräfin
Stauffenberg (unbekanntes Datum, 1937).
150 AHW, Hofmarschallamt Herzog Albrecht: Herzog Albrecht, Allgemeine Korrespondenz 1936: Brief
von Claus Schenk Graf von Stauffenberg an Dietrich von Gemmingen, 20.12.1936.
151 Hoffmann, Claus Graf Schenk von Stauffenberg (wie Anm. 19), S. 195.
152 Hoffmann, Claus Graf Schenk von Stauffenberg (wie Anm. 19), S. 133.
153 AHW, Familienmitglieder, Herzog Ulrich, G 340, Bü 186 (Berthold Graf Stauffenberg an Herzog Ulrich
, 10.11.1936): Das wäre Freiherr Franz von Gebsattel, der verheiratet wäre mit einer Gräfin Übelacker,
...er ist sehr energisch und macht zur Zeit Dienst beim Landwehrbezirkskommando Nürnberg. ...Wie ich
höre, so nimmt er diese Stelle in Nürnberg nur sehr ungern an, weil er absolut kein Anhänger des Dritten
Reiches ist.
154 AHW, Familienmitglieder, Herzog Albrecht, G331, BÜ1087 (Instruktion für den Hofmarschall,
1937). Franz von Gebsattel (geb. 9.6.1889 in Bamberg, gest. 13.10.1945 in russischer Kriegsgefangenschaft
in Wischni-Woluschek), heiratete 1919 Theresia Gräfin von Uberacker (1894-1983). S. 141 f. - Genealogische
Daten nach Walter von Hueck (Bearb.): Genealogisches Handbuch des Adels. Freiherrliche Häuser
Band XVII. Limburg an der Lahn 1995, S. 172f.
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