Universitätsbibliothek Freiburg i. Br., ZG 1563
Hohenzollerischer Geschichtsverein [Hrsg.]
Zeitschrift für Hohenzollerische Geschichte
47/48(132/133).2011/12
Seite: 359
(PDF, 71 MB)
Bibliographische Information
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  (z. B.: IV, 145, xii)



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Neues Schrifttum

„Ochsenbauern" und am unteren Ende den „Kuhbauern". Neben dem satten Wohlstand
(wofür Eitel zahlreiche Einzelbelege liefert) gibt es im ländlichen Oberschwaben zudem
viel Bedürftigkeit und soziales Elend. Ins Bild gerückt werden nämlich nicht nur die
wohlhabenden Bauern, sondern auch die Kleinbauern und Landhandwerker, die Tagelöhner
, die Knechte, die Mägde und die Ortsarmen, die Hütekinder, die umherziehenden
Hausierer, „Zigeuner" und Bettler. Auch signifikante regionale Unterschiede kommen
zur Sprache. Nichts wird vergessen oder ausgespart (S. 212-222). Ebenso wird bei
der Beschreibung der städtischen Bevölkerung verfahren (S. 222-227). Es entsteht ein
ungemein farbiges und plastisches, aber immer wieder auch ein bedrückendes Bild, weit
weg von Idylle und Verklärung, zu der das schöne Oberschwaben so sehr verlockt.

Eitel verzichtet dabei auf Stilisierungen und rhetorische Höhenflüge, in denen sich
mancher Historiker gefällt, sondern vertraut auf die Aussagekraft der Fakten; und diese
nüchternen Tatsachen beeindrucken umso mehr, weil sie unprätentiös dargeboten
werden. Bei allem Faktenreichtum wird jedoch keine kühle neopositivistische Geschichtsschreibung
geboten; Sympathie und Standort des Autors werden auch so deutlich
, nicht zuletzt blitzt gelegentlich ein dezenter oberschwäbischer Regionalstolz auf.
Kein geringes Verdienst des Autors ist es schließlich, diese immense Materialfülle in einer
gut durchdachten, sehr plausiblen Gliederung zu präsentieren, so dass auch ein gezieltes
Nachschlagen in diesem gewichtigen „Handbuch" leicht möglich ist.

Schon beim ersten In-die-Hand-Nehmen des Bandes enthüllt sich eine staunenswerte
, ja bewunderungswürdige Arbeitsleistung. Ein wissenschaftlicher Apparat von
2019 Anmerkungen spricht ebenso Bände für die akribische Mühe des Autors wie ein
fast zwölf Seiten umfassendes Orts- und Personennamensverzeichnis. Der Anmerkungsteil
zeigt überdies, dass Peter Eitel über weite Strecken nicht nur auf bereits vorliegende
Studien zurückgreift und ein Kompendium der bisherigen Forschungsliteratur
vorlegt (was an und für sich schon eine höchst nützliche Leistung wäre), sondern zu
vielen Sachgebieten selbst Quellenarbeit leistet, wohl auch leisten muss, weil zu diesen
wenige oder keine Vorarbeiten existieren. Es drängt sich die Vermutung auf, dass sich
die bisherige Forschung offenbar immer wieder auf einige wenige Gebiete gestürzt hat
und vieles andere, mindestens ebenso Wissenswertes, arg vernachlässigt hat. Zu den
„Lieblingsthemen" bisheriger Literatur zählt etwa die Geschichte der Hütekinder, der
Juden oder die Vereinödung. Gerne würde man öfters zu den einzelnen Sachgebieten
eine Skizze des Forschungsstandes lesen, wie sie für das Schulwesen Oberschwabens
bis 1800 geboten wird (S. 297), vor allem unter Benennung der Quellenbestände und
der Forschungslücken.

Mit anderen Worten: Auch einem kritikliebenden Rezensenten fällt es schwer, einen
Sachbereich zu nennen, der aus dieser Summa-cum-laude-Beurteilung herausfällt. Er
findet sich dort, wo Ekels Darstellung durch Detailreichtum, überaus sprechende Fakten
, klare und sehr gut begründete Schlussfolgerungen glänzt: bei der Schilderung der
Säkularisation (S. 29-34). Gerade weil diese Schilderung in den Fakten so beredt ist, gerade
weil durch sie klar wird, wie brutal sich dieser Wandel meist vollzog, wie viele davon
betroffen waren (z.B. nicht nur die Handwerker und Künstler, sondern auch die
überaus zahlreichen Beamten und Bediensteten der Klöster, von denen sonst kaum die
Rede ist), wie immens die kulturelle „Schadensbilanz" (S. 34) war, wie sehr hier eine in
Deutschland einmalige Klosterlandschaft kulturbarbarisch zerstört wurde, wie sehr

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