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Kleine Mitteilungen.
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begründen soll. Noch höher veranlagt dünkt mich der Mongole, wie ich bereits
1918 in meiner Zeitschrift: Mitteleuropa als Kulturbegriff angedeutet habe,
doch da handelt es sich erst recht um Zukunftsmusik, die hier nicht berücksichtigt
werden soll.
Gedanken, wie wir sie bei Goldberg finden, entdecken wir heute, so spärlich
sie auch noch fließen, doch immer häufiger, und sie sind ein Lichtstrahl jin
unserer untergehenden Kultur, als Versuch, der sich in ihr auswirkenden Triebkräfte
immer mehr bewußt zu werden. Sie setzen noch nicht das Neue, aber sie
bereiten es vor, und so s*hr sie auch noch mit Widersprüchen behaftet sind, so
lassen sie den Leser doch aufatmen im erstickenden Wust der offiziellen Wissenschaft
, die nur das Material kennt, auf das sie zielt, nicht den zielen40it
Menschen selbst. Ganz besonders den Biologen lassen sie aufatmen, weil l^Weisheit
in ihnen aufleuchtet und ZukunftsWeisheit sich vorbereitet.
Kleine Mitteilungen.
Nachtrag zu dem Aufsatz: „Buschmannzauber" von Walther Boehmer
im Oktoberheft 1927.
Von Maria Leinweber, Wohlsdorf bei Hamburg.
In einem älteren ethnographischen Werke (Richard Oberländer, Fremde Völker
. Verlag von Julius Klinkhardt, Leipzig und Wien 1883) fand ich über die
Jagdgewohnheiten der Buschmänner folgende Stelle, die vielleicht nicht ohne
Interesse ist:
„Auch bei der Jagd auf größere Tiere wird der Pfeil, der an sich keine
tödliche Wunde zu erzeugen vermöchte (über die Art dieser Pfeile ist ja im Novemberheft
der Zeitschrift für Parapsychologie gesprochen), vergiftet und bringt dann
in kurzer Zeit dem angeschossenen Tiere siciheren Tod. — Der Buschmann folgt
der Fährte, bis das Wild fällt, schneidet die um die Wunde befindliche Fleischpartie
heraus und schlingt das Uebrige unbedenklich hinunter."
Vielleicht hat also doch der Medizinmann, als er dem verendeten Tier das
Messer einstieß und ein kreisrundes Stückchen Fell und Fleisch heraustrennte,
die Giftwirkung eines kleinen, wirklich eingedrungenen Pfeiles, den er unbemerkt
entfernte, aufgehoben fiir die, die das übrige Fleisch des erlegten Wildes jetzt
essen sollten.
Vielleicht weiß ein moderner Wissenschaftler mehr über die eigenartigen
Gifte, die so von den Buschmännern zur Erlegung des Wildes gebraucht werden
und danach im toten Fleisah unschädlich gemacht werden können, oder es überhaupt
sind. In dem oben genannten Buch steht, daß zu der Bereitung dieser
Gifte der Saft der Euphorbie — eines Zwiebelgewächses (Buphone toxicaria) —,
aber auch Schlangen-, Raupen- und Spinnengift verwendet wird, und daß in den
Gegenmitteln Fett eine Hauptrolle spielt.
Vielleicht verursacht eines dieser Gifte keine Geschwulst oder Entzündung.
Ich will natürlich mir nicht anmaßen, mehr von dieser Sache zu verstehen, als
ein alter Afrikaner, der es selbst gesehen hat. — Aber die Erwähnung des Gebrauchs
des Ausschneidens rund um die Wunde, das dem Buschmann es ermöglicht
, ein mit dem Giftpfeil getötetes Wild ohne Gefahr für ihn selbst zu verspeisen
, gab mir bei der Lektüre Oberländers zu denken. — Vor einem magischen
Geschehen standen Herr Walther Boehmer und seine Gefährten auf jeden Fall.
Es fragt sich nur, fiel das Tier durah den magisch gelenkten Pfeil, den man den
Medizinmann doch abschießen sah, oder ohne diesen?
Wäre es nicht möglich, daß, wie gesagt, Aucuib das Geschoß unbemerkt
entfernte ?
Wir haben diese Zuschrift dem Verfasser vorgelegt, worauf Herr Walther
Boehmer uns folgendes mitteilt:
Der Buschmann verwendet stets auf Jagd vergiftete Pfeile, die aber für
den Menschen beim Genuß des durch denselben erlegten Wildes absolut un-
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