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700 Zeitschrift fui Paraps\ chologie. 12. Heft. (De/eniber 192S )
II e r z m u s k el s e h vv ä che. Da* Krankheilsgefühl am Jler/en i^t demnach
richtig, es war auch subjektiv voibanden. \ls wichtigste Operation machte die
Tante vor mehr als zwei Jahrzehnten ein»4 sehr schwere Gallensleinoperalion
durch. Ton dem Husten und der angeblichen krebs furcht war mir nichts
bekannt. Eine inzwischen stallgefundene persönliche Besprechung besta
tigte mir, daß in den letzten Jahren ein Hustenleiden vorlag, und daß lange
Jahr e h i n d u r c h st a r k e K r e b s f u r e h t bestand. Die Fante mußte
sich die»»«» immer wieder von ihren Ärzten als unbegründet erklären lassen.
Ich seihst wurde durch den Hinweis auf krebs auf meine Mutter gelenkt,
die an einer Gallenkrehsoporation i<|io verstarb, übrigens unter der Pflegt»
dieser Fante Ein Irrtum im Bilde, den ich einen Moment in Erwägung zog.
lag jedoch nicht vor.
Auch die Angabe des \ielen Heisens ist sehr treffend für dies» Fante.
Bezüglich des zuerst genannten Schreies kann man keine eindeutige Zuordnung
treffen. Sie sind sicher mehrfach \orgekommen. Von außen gesehen mögen
vielleicht die KrankheiKschilderungen nicht wesentlich genug erscheinen, da
Her/- und Gallenleiden häufig bei Krauen in höherem Alter auftreten. Daß
jedoch die \ielen Krankheitsangaben durchweg stimmen und gleichzeitig die
sonstigen Aussagen (wie \ieles Reisen und Lebenslustigst letzteres doch im
Gegensat/ zu dem Krankheitserleben ), geht meines Erachtens über kom-
binationsvermögen hinaus, besonders aber die charakteristische und spezielle
\ngabe der Krebsfurcht Der Verbuch ist daher als positiv zu be-
w e i i e n."
3. Versuch: Eine kleine Schmuckdose von Dr. Neugarten.
Diese ist von einer Dame, aber »in Herr ist auch dabei. Ein lebhaftes
Menschenkind. Sie ist lustig. Witze werden erzählt. Ich muß immerfort
lachen. Das Gesicht kommt mi'* brutal vor. Sie ist nicht groß, ist energisch.
Sie ist nervös. Ich muß plötzlich lange Striche machen. Muß er auch so viel
reden? Ich habe auch um mich herum etwa* wie ein Büro, ich diktiere. Schreibmaschine
? Ich rieche Krankenhausluft. Ist die Dame im Krankenhaus gewesen?
Der Mann muß brutal sein.. Wonach riecht da5? so komisch?" (Widerwille.)
Dr. Neugarten: ,»Denken Sie mal an das Land!"
,,Jetzt habe ich hinten im Rücken Stiche. Ich sehe ein langgestrecktes Haus
(zieht Linien in der Luft als Korm des Hauses), weiß mit rot»»n Ziegeln, vorn
ein breiter Weg. Hinter dem Haus sind Wälder und lauter Milchkannen. Der
, Mani geht immer so, schlägt mit der Peitsche oder so etwras gegen die Erde
und Stiefel, und trägt eine kurze Jacke."
Erklärung von Dr. Neugarten: ,,Die Dose gehört einer Dame,
sie hat sie mit einem befreundeten Herrn an der See gekauft. Dieser ist
Polizeiwachlmeister. Die Charakteristik der Dame als energisch ist falsch. - Sie
war vor einigen Jahren längere Zeit im Krankenhaus. — Der erste Teil der Angaben
ist nicht eindeutig. — Im zweiten Teil trifft die Bf Schreibung des Hauses
genau auf den Kasernenbau zu, in dem der Polizeiwachlmeister wohnt. Ebenso
stimmt die charakteristische Angabe des Gehens. Es kann sich dabei um eine
Peitsche oder den Degen handeln. Beides wird oft getragen. - Auch die Beschreibung
der Oertlichkeit mit Wäldern und Milchkannen ist richtig. Die
Milchkannen stammen aus der Kantine der Kaserne. Bei einem Besuch fragte
die Dame bei dem Anblick der Milchkannen einmal: ob denn hier eine Molkerei
sei. — Mir selbst war bei dem Versuche die Oertlichkeit unbekannt. Dei
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