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Zeitschrift für Parapsychologie. 1. Heft. (Januar 1929.)
damit auch das Phänomen. Das Tamburin wird von der Kabinettseiteher
vom Tischchen abgehoben, schwebt gegen die Mitte
des Wirkungsraums und wird nach dem Takt der Musik geschüttelt
und wie von mindestens einem Finger beklopft. Dann schwebt es
ganz nahe zu meinem Platz und dicht zu meiner Nachbarin, dann zur Gegenseite
, wieder zurück zum Vorhang. Das Phänomen wiederholt sich mit taller
Ruhe und Sicherheit mehrmals. Es wird auch vom Fußboden abgehoben und
zweimal gegen Herrn L., der darum gebeten hatte, geschleudert. Ein haltendes
Organ ist trotz des Leuchtrandes des Instruments nicht mit Sicherheit zu erkennen
.
Sehr schön gelang auch der bekannte, von Schrenck-Notzing als „Thomas
Mannsches Phänomen'* bezeichnete Versuch mit dem Taschentuch, das gegen
das Kabinett zu vom Tischchen weggezogen wird, wie über eine Hand gebreitet
auf- und absteigt, um dann auf das Tischchen zurückgeworfen zu werden. Die
Vorhangwallungen nehmen nun große Stärke an. das Tischchen wird umgeworfen
. Gegen i Uhr machen wir eine Pause, um nach Wiederbeginn - es
treten lediglich starke Tuchbewegungen auf — sehr bald die Sitzung zu
schließen.
Was an dieser Sitzung bemerkenswert ist, das ist die Tatsache, daß es gelang,
mitten in einer Schwächeperiode des Mediums schöne, kräftige telekinetische
Phänomene zu erzielen, die ihrer Natur nach das Wirken fest materialisierter
Gebilde sicherstellen. Dieser Erfolg war nur möglich infolge einer außerordentlichen
Geduld des Zirkels und einer starken Hingabe des Mediums bzw. seiner
Trancepersönlichkeit an seine Aufgabe. Hätten wir die über einstündige phänomenlose
, anstrengende Phase der Vorbereitung, des Kraftsammelns vor den
starken Erscheinungen nicht durchgehalten, so hätten wir lediglich eine ganz
schwache Sitzung buchen können.
Der Plan, der den nun folgenden drei Sitzungen zugrunde lag, war zunächst
der, zu \ersuchen, ob man nicht durch eine Variation der Versuchsanordnung
die in der letzten Zeit in ihrer Stärke recht zurückgegangene mediumistische
Kraft Willys irgendwie anregen und .wieder zu einer gesteigerten Äußerung
bringen könnte. Zum zweiten lag es in meiner Absicht, durch Verwendung von
Minimumthennometern einwandfreie Belege für eine durch die stets beobachteten
Kälteempfindungen der Teilnehmer äußerst wahrscheinlich gemachte Herabsetzung
der Temperatur im Wirkungsfeld während des Ablaufs der Phänomene
zu erhalten.
Der Verlauf der Sitzungen war kurz folgender:
* 7. Sitzung vom 22. Juni 1926. Ort: Mein Wohnzimmer. Anwesend: Herr IL,
Dr. R., Geh. Rat v. C., Herr L. A., Kammersänger P. B„ Frl. D., Verf.
Versuchsanordnung: Eine erfolgreiche, etwas improvisierte Materialisationssitzung
im vergangenen Winter bei Frau P. ließ mich die damals verwendete
Anordnung versuchen. Ein runder Tisch wurde mit einem rauhen Tuch bedeckt
, das fast überall bis auf den Boden herabhing, nur vor dem Medium
eine breitere, an der entgegengesetzten Stelle eine schmälere Oeffnung freilassend
. Unter den Tisch wurde eines der Minimumthermometer gestellt, ein
zweites gleiches Instrument kam zur Kontrolle in die Zimmerecke hinter dem
Medium. Die Teilnehmer bildeten einen geschlossenen Kreis um den Tisch
mit gegenseitigem Händefassen, wobei das Medium, das an den Hand- und Fußgelenken
, sowie an der Stirne durch Leuchtbänder gekennzeichnet war, in den
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