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haupt nicht kannte, verborgen geblieben ist, war zu den Worten „genaue Beschreibung
eines Schlüssels" der Zusatz „den sie (das Medium) als solchen nicht
erkennt". Man kann also höchstens gegen den Ausdruck „genaue Beschreibung"
eine stilistische Einwendung machen, denn sachlich erhält er durch den Zusatz
eine wesentliche Einschränkung und wird auf seine wahre Bedeutung in diesem
Falle zurückgeführt. Ich bin daher überzeugt, daß, wenn Herr Hellwig meine
Schrift im Original gekannt hätte, er sich nicht gerade diesen Versuch zur Aufgabe
für seine Leser gewählt haben würde. Denn wenn schon das Medium trotz
Wiedergabe charakteristischer Einzelheiten (dabei bleibe ich) den Gegenstand
selbst nicht benennen konnte, wie war dies von den Lesern nur auf Grund der
Antwort des Mediums zu erwarten? Immerhin war die Wiedergabe von Einzelheiten
doch so zutreffend, daß tatsächlich einer der Leser die richtige Lösung
(eine Art Schlüssel, in Wirklichkeit war es kein Uhrschlüssel, sondern ein Türschlüssel
) gefunden hat. Und wenn die anderen Einsender dies nicht taten, so
hat es doch wohl auch an diesen gelegen, denn auf Gegenstände wie „Bleistift"
und „Zigarre" trifft die Angabe „an einem Ende flach" eben nicht zu. Eher noch
auf einen Brieföffner, aber dieser ist wiederum nicht, wie bestimmt gesagt war,
kürzer als ein Federhalter, sondern hat mindestens dieselbe Länge. Dabei waren
die beiden Gegenfragen der Versuchsperson nicht, wie Moll undeutlich schreibt,
„nach einer Zwischenfrage" gekommen, das heißt nicht nach einer belanglosen
solchen, sondern auf die scharf drängende Frage: „Was ist es denr.?" Auf dieses
Drängen hin fing das Medium, das den Eindruck entweder noch nicht genau
genug aufgenommen oder, wie häufig, schon wieder verloren und nur noch die
Vorstellung des Länglichen hatte, zu raten an, setzte aber doch gleich wieder
richtig hinzu, daß der Gegenstand die beiden benannten, Federhalter und Lineal,
an Länge nicht erreiche.

Hätte mein Medium damals nur kurzerhand „Schlüssel" gesagt, so wäre die
zu jener Zeit gerade sehr moderne Theorie des unwillkürlichen Flüsterns
eingewendet worden. Aus diesem Grunde habe ich der zunächst nur tastenden
Beschreibung einen gewissen Wert beigemessen, das Resultat an gleicher Stelle
als „brauchbar", den Versuch als „bemerkenswert" bezeichnet. Daraus kann aber
niemand das Recht ableiten zu behaupten, daß ich gerade auf diesen Versuch
besonderes Gewicht gelegt habe. Tut er es dennoch, so erweckt er bei den
Lesern ein falsches Bild. Bei Moll wird es einem schwer anzunehmen, daß er
dies nicht bezweckt hat, da er meine Schrift kannte und die darin enthaltenen
beweiskräftigen Versuche gesehen haben muß. Hellwig bestreitet, daß er in
seinen Kosmosartikeln überhaupt die Absicht gehabt habe, sich mit den Problemen
der Telepathie und des Hellsehens auseinanderzusetzen. Er habe vielmehr seine
Leser nur von der Vieldeutigkeit der bei solchen Versuchen gemachten \ngaben
überzeugen wollen. Dabei muß man sich jedoch fragen, was dies bei volkstümlichen
Abhandlungen für einen Zweck hat. Ich kann mir wohl denken, daß ein
solcher Hinweis gelegentlich in einer wissenschaftlichen Arbeit am Platze sein
kann. Der Leserkreis des Kosmos ist aber kein gelehrter Gerichtshof, sondern
ein bildungsuchendes Publikum, das sein positives Wissen bereichern möchte.
Vor einem solchen Publikum ein/eine Versuchsergebnisse zu zerpflücken und
herabzusetzen, ist geeignet — und namentlich in der Art, wie Dr. Hellwig dies
tut — den Eindruck zu erzeugen, daß es einwandfreie Resultate auf diesen Gebieten
gar nicht gäbe, vielmehr deren Anerkennung nur auf der willkürlichen
Auslegung voreingenommener Experimentatoren beruhe. Versteht man doen
wirklich nicht, weshalb heutzutage, wo die Tatsächlichkeit der Telepathie immci
mehr Anerkennung findet, ein einzelner Versuch aus einer vor zehn Jahren erschienenen
Arbeit hervorgezerrt werden muß, während doch bereits die telepathischen
Gruppenbotschaften von Paris nach New York, von Athen nach Wien
fliegen und inzwischen experimentelle Arbeiten erschienen sind, zu denen meine
bescheidene sich verhält, wie die ersten Flugvorführungen auf der Kölner Rennn-
bahn, denen ich seinerzeit von Bonn aus beiwohnte, /u den O/eanflügen des
„Zeppelin".

Ich zweifle nicht, daß sich nach und nach die Anerkennung sämtlicher Teilgebiete
dessen, was man heute noch „Okkultismus" nennt, durchsetzen wird,
auch wenn wirklich der eine oder andere Forscher sich bei der Beschreibung
seiner Versuche einmal geirrt odei im Ausdruck \ ergriffen hat. Denn letzten


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