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http://dl.ub.uni-freiburg.de/diglit/zs_para1931/0299
Fachliteratur des Auslandes 259

gemachten Angaben. 5s wird in dem Antwortschreiben zugleich aber auch
auf die wahrscheinliche Quelle hingewiesen, nämlich eine Todesanzeige in dem
Weltblatte: „Neue Freie Presse". Da das Medium und die an den Versuchen
beteiligten Personen auf das bestimmteste leugnen, von der Todesanzeige Kenntnis
erlangt zu haben und van Rossem sich auf Grund guter Personenkenntnis
für die Verläßlichkeit ihrer Angaben verbürgen kann, muß angenommen werden
, daß einem Versuchsteilnehmer diese Todesanzeige in der „Neuen Freien
Presse" kryptomnetisch bekannt geworden ist, etwa bei einem Besuch im
Kaffeehaus und durch einen flüchtigen Blick auf die dort aufliegende Zeitung.
(Der Fall wäre noch überzeugender, wenn es sich um ein Eigenerlebnis handelte
, weil hier auch die Bürgschaft für den Charakter /weiter und dritter Personen
wegfiele und weil anderseits der Missionseifer mancher Medien über alle
Bedenken triumphiert. Der Uebers.)

Van Rossem neigt da/u, für den von ihm mitgeteilten Fall auch die
spiritistische Erklärung heranzuziehen. Dem gegenüber verweist Tenhaeff
zunächst auf jene Fälle, wo Kinder, Schwachsinnige, Kranksinnige und Naturvölker
(alles Typen mit scheinbar atavistischem Einschlage) eine Treue des
Gedächtnisses aufweisen, die ans Wunderbare grenzt, und die einzelnen Gedächtnisriesen
auch den Namen von Wunderkindern eingetragen hat. Besonders
bemerkenswert ist der Fall des blinden Jan Theunissen, der 1926 an der Universität
Utrecht psychologisch untersucht wurde, und der wie ein lebender Kalender
für jedes beliebige Datum angeben konnte, welcher Wochentag darauf
entfalle und was sich an dem betreffenden Tage in seiner Pflegeanstalt zugetragen
habe. Für einzelne dieser Geschehnisse konnte er nicht nur den Tag
sondern auch die Stunde nennen. Ein /weiter berühmter Fall wird von Schubert
in seiner „Geschichte der Seele44 (II, S. 86) berichtet, wobei der kranksinnige
August Weck jedes Wort der ihm mitgeteilten Briefe in vollkommener Treue
wiedergeben konnte und deshalb als verläßlicher Botengänger Verwendung
fand. Aehnliche erstaunliche Leistungen berichtet Henry Stanley von dem Kongoneger
Gamanko. Erstaunliche Gedächtnis-Mehrleistungen werden ferner von
Fieberkranken und von solchen berichtet, die das Opfer irgendeiner starken
inneren Erregung wurden, etwa wie bei der Gefahr des Ertrinkens. Ueber-
einstimmend wird dann von dem Abrollen eines Lebensfilms mit allen Einzelheiten
berichtet. Tenhaeff weist schließlich in mehieren Fällen nach, daß wir
auch dasjenige getreu zu erinnern vermögen, was nicht in den Blickpunkt unserer
Aufmerksamkeit gefallen war, dem wir also gar keine Beachtung geschenkt
hatten.

Durch Tenhaeffs wertvolle Feststellungen wird auch der englische Philosoph
Williarn Hamilton (1788—1867) gerechtfertigt, der — seiner Zeit vorauseilend
— die Hypothese aufstellte, daß wir eine schier unbegrenzte Aufnahmefähigkeit
für alle, auch die schwächsten Eindrucke besitzen, eine Annahme, die
ihm den Vorwurf eines haltlosen Phantasten zuzog. (Diese Verkennung von
Einblicken und Erkenntnissen, die der Zeit vorauseilen, scheint sich in jeder
Zeit zu wiederholen. Es ist so, als ob sie mit einer Geheimschrift niedergeschrieben
wären, für deren Ent/iffferung der Allgemeinheit noch der Schlüssel
fehlt; es sind, um ein Wort Goethes zu gebrauchen, offenkundige Geheimnissie.
Der Uebers.)

Ewald Herings Vortrag über „Das Gedächtnis als eine allgemeine Funktion der
organisierten Materie44 hält der Verfasser geradezu für die Einleitung einer neuen
Aera. Die Schlüsse, die Tenhaeff aus seiner Betrachtung zieht, sind sehr weitgehend.
Er meint, daß die Medien in der Stammesentvvicklung gewissermaßen einen
Schritt nach rückwärts tun und im Zustande der Bewußtseinsspaltung zur Ausgestaltung
zweiter und dritter Persönlichkeiten gelangen, wobei alle Bewußtseinsinhalte
, die aus dem Wachbewußtsein verdrängt worden waren, auch wenn
sie auf feinsten Erinnerungsspuren beruhen, freirnächtig über die Bewußtseinsschwelle
emporsteigen. Tenhaeff ist hierbei so umgänglich, seinen animistischen
Erklärungsversuchen nach Möglichkeit jede Aufdringlichkeit zu nehmen.

Ingenieur Felix Ortt hält dafür, daß das biologische Problem des Palolo-
Wurrns, der nur zweimal im Jahre, und zwar im Oktober und November, genau
vor dem letzten Mondesviertel an die Oberfläche der See emporkommt, auch
ein Problem der Parapsychologie sei, und zwar im Zusammenhang mit Mondstrahlungen
, die das Unbewußt-Ordnende in der Natur erkennen lassen. In

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