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Zeitschrift für Parapsychologie. 8. Heft. (August 1931.)

die auf Grund zahlreicher, sie schwer belastender Zeugenaussagen wegen Betrugs
verurteilte Frau Rothe hat andererseits nach den ihr günstigen Zeugenaussagen
so ziemlich alles geleistet, was Bozzano als besonders beweiskräftig in seiner
Arbeit von anderen Medien berichtet. Wir haben also nur zwei Möglichkeiten;
entweder sind die von Bozzano angeführten Apporte im großen ganzen aus den
von ihm angeführten Gründen echt, d«nn werden wir den Anhängern Frau
Rothes, z. B. Kassationspräsident Sulzer und Professor Sellin, folgen und Frau
Rothe für ein echtes Medium erklären müssen, das im wesentlichen zu unrecht
verurteilt wurde; wer aber diesen Schluß angesichts der gegenteiligen Zeugenaussagen
nicht ziehen will, der wird kaum umhin können, auch hinter die von
Bozzano berichteten Apporte ein Fragezeichen zu setzen. Der Befürworter dieser
zweiten Alternative muß dann annehmen, daß es sehr gebildete Männer gibt,
die bei aller subjektiven Ehrlichkeit wegen einer gewissen phantastischen Veranlagung
völlig außerstande sind, über angeblich okkulte Erlebnisse zuverlässige
Berichte zu verfassen, da sie Vorgänge sehen, die in Wirklichkeit nicht erfolgen
und umgekehrt andere übersehen, die die natürliche Erklärung des Falls deutlich
machen würden. Ich möchte mich eines Urteils, welche der zwei Alternativen
die richtige ist, enthalten, und mit Sir Oliver Lodge und mit Professor Richet
die Frage nach dem Vorkommen echter Apporte offen lassen. Sicher wird die
Wissenschaft Apporte erst anerkennen dürfen, wenn dasselbe Medium vor den
verschiedensten unvoreingenommenen Kommissionen unter den schärfsten Bedingungen
unerklärliche „Apporte" hervorgebracht hat. Diese Zweifel an der
Beweiskraft der Fälle Bozzanos sollte niemand abhalten, die Schrift zu studieren,
da sie eine gute Uebersicht über die Art des Beweismaterials gibt; höchst merkwürdig
sind z. B. die Berichte aus Reverend Tweedales Buch „Man's Survival
after Death" (Luce e Ombra S. 14—16, Januar 1931); sehr erstaunlich sind im
Februarheft 1931 die Berichte von Seite 62 und 64. Den außerordentlichen
Bericht des Lemberger Universitätslehrers Switkowski „Stufenweise Apport-
verdichtung" (Zeitschrift für Parapsychologie 1926, S. 245—248) hat Bozzano
übersehen; auch hier stehen wir entweder vor echten Phänomenen, oder vor
einer kaum vorstellbaren Unfähigkeit zu objektiver Beobachtung und Berichterstattung
. Zu besonderer Vorsicht gegenüber allen Apportberichten zwingt
uns die Tatsache, daß das scheinbare Erscheinen, Verschwinden und Verwandeln
von Gegenständen auch die drei grundlegenden Wirkungen der Zauberkunst
darstellen.

Eine zweite wertvolle Arbeit Bozzanos betrifft „Einige theoretisch interessante
Fälle von Identifizierung von Geistern" (Mai, Juni, Juli, Dezember 1929
und Februar bis Mai 1930) Der Zweck dieser Monographie Bozzanos ist,
den Beweis für das Weiterleben nach dem Tode zu führen, ohne Heranziehung
der Fälle, in denen ein „Geist" seine Identität dadurch nachzuweisen versucht,
daß er zahlreiche Einzelheiten aus seinem vergangenen Leben berichtet; diese
Fälle waren bis jetzt von den Animisten häufig damit entkräftet worden, daß sie
wie William James ein „kosmisches Reservoir der individuellen Erinnerungen"
annahmen, aus dem das Medium seine Mitteilungen schöpfen könnte, so daß
der Nachweis des Weiterlebens ein für allemal ausgeschlossen wäre. (Luce e
Ombra, Februar 1930, S. 67.) Dieser Hypothese gegenüber verweist Bozzano
auf* Fälle, wie den von Lawrence J. Jones beigebrachten, wo ein Toter eine
Verwechslung des Grabsteins über seinem Grab aufdeckt (vgl. Z. f. P. 1929,
S. 547/48). Hier gibt also der Verstorbene nicht eine Erinnerung wieder, vielmehr
berichtigt er einen Irrtum, der angeblich keinem Lebenden bekannt war,
so daß er auch keinem Erinnerungsreservoir angehören könnte. Bergson und
Jones hatten den Fall für besonders beweisend für das Weiterleben erklärt und
Bozzano schließt sich ihnen an. Ich hatte schon in meiner ersten Besprechung
des Falles zwei normale oder wenigstens die spiritistische Hypothese unnötig
machende Deutungen dafür gegeben; und wirklich stellte sich nachträglich
heraus, daß der Fall vermutlich nicht übernormal zu deuten ist (vgl. die Ergebnisse
einer Untersuchung der S. P. R. im S. P. R. - Journal vom April 1930, S. 64 f.);
Bozzano hat diese wichtige Ergänzung des Falls übersehen. Interessant sind
Mitteilungen Bozzanos über den berühmten Spuk von Hydesville. Bekanntlich
erlebten die Schwestern Fox in Hydesville im Jahre 1847 in ihrer Wohnung, in
die sie eben erst mit ihren Eltern eingezogen waren, merkwürdige Spukerscnei-


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