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Fachliteratur des Auslandes.
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nungen, aus denen sich schließlich ergab, daß der spukende Geist fünf Jahre vorher
in dem Hause ermordet worden sei; auch erklärte der Geist, er sei im Keller
begraben worden und er gab die Stelle an, an der gegraben werden sollte; wirklich
fand man nach Bozzanos Darstellung an der bezeichneten Stelle menschliche
Haare und Knochen; doch ist dies nach Tischners „Geschichte der Okkultistischen
Forschung" (S. 15) nicht sicher bezeugt. Bozzano berichtet weiter, daß im Jahre
1904 in dem betreffenden Keller plötzlich eine Mauer eingestürzt sei, die sich als
nachträglich eingebaut herausstellte (in etwa 80 cm Abstand von der eigentlichen
Hausmauer); in dem Zwischenraum zwischen den zwei Mauern fand man ein
vollständiges menschliches Skelett. — Bozzano nimmt an, daß der Mörder die
Leiche zuerst an der den Schwestern Fox von dem Geist bezeichneten Stelle
im Keller vergrub, um sie später der Sicherheit halber hinter der zu diesem Zweck
errichteten neuen Mauer zu verbergen, wo sie 60 Jahre nach der Tat gefunden
wurde. Da die Geister sich nach Bozzano im allgemeinen nur kurze Zeit nach
ihrem Tode noch für ihren Körper interessieren, hätte also der Geist nur die
Erinnerung an die erste Begräbnisstätte bewahrt und den Schwestern Fox deshalb
die falsche Stelle angegeben, an der man nur einige Knochenreste fand. In
der Tat spräche dieser Fall, wenn er einwandfrei belegt w ire, starkstens für die
spiritistische Hypothese, da die hellsehenden Schwestern Fox (wenn deren Hellsichtigkeit
ohne Eingreifen des Geistes des Ermordeten die Erklärung liefern
müßte) doch d i e Stelle hätten sehen müssen, an der die Leiche wirklich lag,
und nicht diejenige, an der sie vor dem Einzug der Familie Fox in das Haus
eine Zeitlang vergraben worden war. Leider fehlen bei Bozzano Angaben über
die Quelle dieses 1904 angeblich im Hause erfolgten Skelettfunds. So lange
man über die Knochenfunde im Jahre 1848 und den späteren Fund des Skeletts
keine tadellosen Belege besitzt, lassen sich aus dem Fall keine entscheidenden
Schlüsse ziehen (Luce e Ombra, Mai 1929, S. 200/205; theoretische Ergänzungen
dazu siehe ebenda Oktobei 1Q29, S. 472/74).
An dritter Stelle bespricht Bozzano einen gut beglaubigten Bericht Flammarions
, in dem ein über den deutschen Linien abgeschossener französischer
Flieger seiner Mutter in symbolischen Visionen den Ort seines Begräbnisses mitteilt
. Bozzano glaubt, daß diese Visionen nicht durch das kosmische Erinnerungsreservoir
erklärbar seien, weil durch sie etwas mitgeteilt wurde, das ver«
mutlich nie in eines Lebenden Bewußtsein war, da das betreffende Grab als
das eines unbekannten Soldaten galt. Doch könnten die An'tispiritisten ainnehmen,
das kosmische Erinnerungsreservoir sei nur ein Teil eines göttlichen Bewußtseins
, in dem alles Geschehen registriert wäre, ganz unabhängig davon, ob es
je dem Bewußtsein eines Einzelwesens angehörte. Alle Angaben eines Mediums
könnte man dann durch eine momentane Beziehung zu diesem göttlichen Bewußtsein
deuten; diese Anschauung entspräche dem Anschluß ans Absolute, den
Eduard von Hartmann vertrat. Die durch einen solchen Anschluß ans Absolute
gewonnenen Erkenntnisse würde das Unterbewußtsein des Mediums zuweilen
so dramatisieren, daß der Anschein einer realen Anwesenheit eines Verstorbenen
entstünde. Sicher kann so jeder spiritistisch anmutende Fall gedeutet werden;
aber ein solcher Anschluß ans Absolute ist eine metaphysische Hypothese, die
an Gewagtheit hinter der spiritistischen Hypothese nicht zurücksteht. Obgleich
daher entgegen Bozzanos Meinung die spiritistische Hypothese nicht im strengen
Sinn bewiesen werden kann, halte ich doch in mandhen Fällen mit Bo/zano die
spiritistische Hypothese für die wahrscheinlichste Deutung der Tatsachen (deren
zuverlässige Wiedergabe vorausgesetzt).
In der Julinummer 1929 bringt Bozzano drei Fälle, in denen Phantome Verstorbener
von mehreren Personen gleichzeitig gesehen, oder mit anderen Sinnen
wahrgenommen werden. Zwei der Fälle stammen aus dem Journal der American
S. P. R. (August 1928, S. 430). ich stehe der spiritistischen Erklärung dieser
Fälle sympathisch gegenüber, doch kann sich der Anim'st leicht helfen, indem
er die Phantome durch einen lebenden telepathischen Agenten hervorgebracht
sein läßt. Der Einwand Bozzanos hiergegen, daß ein telepathischer Agent stets
nur sein eigenes Phantom, nie das eines anderen aussende, was ja bei der ani-
mistischen Deutung dieser Fälle angenommen werden müßte, scheint mir nicht
ganz stichhaltig, da unter der Voraussetzung des von Boz/ano nicht bestrittenen
Vorkommens von Gedankenphotographien die Möglichkeit der gelegentlichen
Aussendung eines sogar photographierbaren, aber dem Agenten nicht gleichenden
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