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Zeitschrift für Parapsychologie 5. Heft. (Mai 1932.)

Dr. Paul Deussen, die Philosophie des Mittelalters (1915), Seite 472: „Ein
(dem Paracelsus) ähnliches Gemisch von Forschergeist und Aberglauben begegnet
uns bei Hieronymus Cardamis, geboren i5oi in der Lombardei, welcher
als Mathematiker, Philosoph und Arzt in Pavia und anderen Orten wirkte und
1576 in Rom starb. Wenn sein Gegner Julius Caesar Scaliger von ihm sagtj:
in plurimis minus quo vis puero intelligere, so bezieht sich dieses! auf die Befangenheit
des Cardanus in neuplatonischen und neupythagoreischen, mit
allerlei kindischem Aberglauben untermischten Phantasien." —

Joseph von Görres, Mystik, Magie und Dämonie (Ausgabe Joseph Bernhart,
1927), Seite i84: — nach Wiedergabe dessen, was Cardanus über seine visionären
Gesichtsbilder und ferner über sieine Fähigkeit sagt, sich in einer Art
von Ekstase außer sich zu setzen — „Man sieht, diese (Spiegelung wird dadurch
bewirkt, daß die in der Einbildungskraft selbsttätig hervorgerufenen Bilder,
auf das ihnen zumeist verwandte Gesichtsorgan bezogen, dies von innen heraus
eben also regen, wie die äußeren Objekte es sonst nur von außen herein vermögen
, wodurch der imaginierte Gegenstand die gleiche plastische Objektivität,
wie sie sonst nur dem Wirklichen eigen ist, gewinnt." —

Wilhelm Dilthey, Weltanschauung und Analyse des Menschen seit Renaissance
und Reformation (1914), Seite 429: ,.ln Cardano ist das Bewußtsein
von sich selbst, unbändiges Bedürfnis des Ruhmes, Sinn für die Mannigfaltigkeit
menschlichen Daseins ausgeprägter und das autoritätsfeindliche Vertrauen
zum eigenen Genie stärker als in irgendeinem Zeitgenossen. An seine außerordentliche
Persönlichkeit, seine unzähmbaren Affekte, seine Visionen, seine
Ahnungen und an sein Bewußtsein von seiner Singularität, das an die Originalgenies
des 18. Jahrhunderts gemahnt, knüpft sich doch bei erheblichen Verdiensten
in Mathematik und Medizin die Dauer seines Namens. Er \erwebt
den Bericht über seine Person überall in seine Schriften und hat schließlich
in der Autobiographie de vita propria eine psychologisch wie künstlerisch
geniale Darsteellung derselben gegeben. Hierin vergleicht ihn Goethe richtig mit
Benvenuto Cellini und Montaigne."

Eine weitere eingebende Würdigung schließt Seite 431: „Er spricht über
sich, seine sinnlichen Leidenschaften, sein falsches Spiel, sein Bedürfnis zur
Rache wie der Naturforscher über die Organisation eines Raubtiers — mit der
RÄie theoretischen Verhaltens, in welcher später Spinoza die Affekte auffaßte
/' -

Dilthey stellt, nachdem er Seite 437 die tiefe Empfindung des Cardano für
jene unermeßliche Varietas rerum betont hat, Seite 452 diesen neben Nicolaus
Cusanus und Bruno und legt Seite 468 dar, daß in «diesen dreien und anderen«
das lebendige Gefühl für die Bedeutung der Varietas rerum in dem göttlichen
Weltzusammenhang sowie für den Eigenwert des Individuums entstanden sei. —

leb habe einige Wochen vor Diltheys kläglichem Tode in Bozen — als
Opfer einer Hotel-Verseuchung — mit ihm in stillen Tiroler Waldbergen die
wohl letzten philosophischen Gespräche seines Lebens geführt und erfahren,
daß er, wenngleich er seiner Gattin Unheilsahnung nicht ernst nahm — leider!—
meinen erforderten Berichten über okkulte Dinge eine ruhige und freund-


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