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Waither: Neuere Forschungen auf dem Gebiete der Telepathie
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eine unmittelbar gegebene, ursprüngliche (originäre), nicht erst durch Überlegungen
irgendwelcher Art erschlosssene Qualität innewohnt, eines ihrer wesentlichsten
Merkmale zu sein, durch das sie vor allem als telepathische „Sendung"
charakterisiert und erkennbar sind. Vor allem bei der Spontantelepathie ist
dieses Moment m. E. ganz besonders ausgeprägt, bei der experimentellen Übermittlung
primitiver Vorstellungen usw. mag es dagegen etwas zurücktreten.
Ohne dieses Moment der Durchdringung mit einer fremden Atmosphäre
-wüßte man wahrscheinlich bei der Spontantelepathie gar nicht, woher einem
.eine telepathische Sendung zuströmt, vor allem, wenn man zugleich mit mehreren
Menschen in telepathischer Verbindung steht. Denn es ist hier ja nicht
etwa wie beim Telephonieren, wo der Anrufer zuerst seinen Namen sagt: liier
X, Y! Trotzdem weiß man aber bei einem telepathischen Spontanerlebnis meist
sofort ganz unzweifelhaft, von wem es kommt. Das ist aber nur dadurch möglich
, daß der Sender eben unmittelbar und eindeutig durch die für ihn charakteristische
seelische „Atmosphäre" vertreten ist, die der Sendung anhaftet. Es
ist mir verschiedentlich widerfahren, daßr ich mich mit einem Menschen in
telepathischem Kontakt befand und dann zufällig noch eine \veitere telepathische
Sendung von einer dritten Persönlichkeit hinzu kam — wie hätte idh
beide unterscheiden können, wenn nicht eben durch die Verschiedenheil der
„Atmosphäre", in die ihre jeweiligen Sendungen „eingebettet" waren?! Man
kann auf diese Weise als Empfänger aber auch die Atmosphäre eines Menschen
kennenlernen, mit dem der Sender im Augenblick des Sendens gerade so stark
Terbunden ist, daß dessen Atmosphäre zugleich mit der des Senders übermittelt
wird, ebenso kann aber auch der Sender, wenn er sich der Atmosphäre des Empfängers
bewußt ist, die Atmosphäre eines Dritten mit übernehmen, mit dem
der Empfänger vielleicht gerade gleichzeitig in telepathischem Rapport steht.
Dies sind ziemlich komplizierte Phänomene, aber ich habe beides schon erlebt,
wobei ich den Dritten, dessen Atmosphäre mir mit übermittelt wurde, manchmal
noch gar nicht kannte. (Es ist überhaupt nicht immer nötig, daß man
einen Menschen, von dem man eine telepathische Sendung empfängt, bereits
„persönlich" kennt, d. h. daß man ihm schon in räumlicher Nähe physisch gegenüber
gestanden ist. Man kann auch mit Menschen in telepathischen Kontakt
kommen, die man nur durch Briefe, aus Büchern, von Bildern, von Erzählungen
anderer „kennt". Dies mag selten sein und es ist nicht immer leicht, bolche
Fälle von SpontanteJepathic nachzuprüfen, aber daß sie vorkommen, habe ich
selbst wiederholt erlebt.)
In seinen ausgezeichneten, auf vielen selbsterlebten Fällen von Spontantelepathie
beruhenden Untersuchungen über Telepathie spricht Herr Saniläts-
rat Dr C. Bruck wiederholt von einer „Erwartungsspannung", mit der die telepathischen
Spontanerlebnisse verknüpft seien. Auch ich habe die Erfahrung
gemacht, daß die meisten telepathischen Spontanerlebnisse von einer gewissen
Spannung begleitet sind, definierbar meistens als eine Art Ziehen in der Herzgegend
(wenn es sich vorwiegend um eine Übertragung von Gefühlsregungen
handelt), in der Gegend des Hinterkopfes oder aber zwischen den Augenbrauen
(wenn es sich um genau formulierte Gedanken oder scharf umrissene Vorstel-
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