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Kleine Mitteilungen.

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Jahres 1912, als von Schrenck mit Photographien aus Paris zurückkam, sich zur
Gewißheit erhärtete. Er habe an Vergrößerungen die Falten der Gebilde und
damit die Papierstruktur der vorgezeigten Köpfe nachweisen können, auch habe
es sich nicht um echten Trancezustand gehandelt, ja Eva C. habe mit einer
Gummihand, die auf ihrem Schöße lag, die eine Hand freigemacht, und mit Stecknadeln
zur Befestigung der Köpfe gearbeitet, wie er bei den dann in München
stattgefundenen Sitzungen bewiesen habe.

Mit diesen alten Geschichten, die jedem Leser unserer Literatur vertraut sind,
die aber anscheinend auf die Versammlung Eindruck machten und beklatscht
wurden, war für den Redner das ganze Thema des Abends erledigt. Er hatte
nicht einmal eine ganze Stunde gebraucht, um sich seines Auftrages zu entledigen
und um die Telekinese und Materialisationen ad absurdum zu führen!

Herr Dr. Kröner, der nun das Schlußwort erhielt, hätte es so leicht gehabt,
mit solchem oberflächlichem Redner und Gegner ernstlich abzurechnen. Leider
muß gesagt werden: er tat es nicht! Die Stellung von Gulats mußte Dr. Kröner
bekannt sein, er mußte damit rechnen, daß von Gulat sein ganzes Thema mit
diesen winzigen, primitiven und vor allen Dingen so weit zurückliegenden Beobachtungen
bestreiten würde.

Es rächte sich an diesem Abend, daß Herr Kröner, wie er kürzlich in der
„Woche" schrieb, seit drei Jahren Veranlassung habe, das okkulte Gebiet zu
meiden. Wenn man zu solchem Diskussionsabend in der Öffentlichkeit gewonnen
wird, darf man sich die Sache nicht zu leicht machen.

Wie schlagkräftig hätte es gewirkt, wenn Herr Kröner dem Redner aus
München vorgehalten hätte, daß er auf dem Standpunkt von vor über zwanzig
Jahren stehengeblieben sei, daß Eva C. schließlich nicht das einzige Medium
Schrenck-Notzings gewesen sei. daß in den Büchern über Willy und jetzt auch
über Rudi Schneider zahllose Gelehrte, denen vielleicht ein großer wissenschaftlicher
Name auf dem Spiele stand, für die Echtheit der Phänomene als Kronzeugen
namentlich und zum Teil mit eigenen Berichten verzeichnet seien.

Hatte Herr Kröner in seiner bedächtigen Redeweise an sich schon mit der
lebhaften Art des Süddeutschen und seiner anschaulichen plastischen Darstellung
zu kämpfen, so war es verfehlt, die Rechtfertigung Schrencks (damit zu beginnen,
er könne nicht zu den Protokollen aber die erwähnten Sitzungen im einzelnen*
Stellung nehmen. Gewiß kann ein beschäftigter Arzt nicht jede Seite der dicken
Werke Schrencks auswendig im Kopfe haben, aber Herr Kröner hätte, als er
sich zu diesem Zwiegespräch begab, das für die Berliner Öffentlichkeit nicht ganz
ohne Bedeutung war, sich mit den vfür diesen Abend einschlägigen Bücher»
versehen müssen, da er ja fast genau den Inhalt der gegnerischen Rede voraussehen
konnte. Er hätte dann noch während dessen Ausführungen einige, wie
Keulenschläge wirkende Argumente sich zurechtlegen können.

So haben wir uns noch am selben Abend Schrencks „Experimente der Fernbewegung
" herausgesucht und mußten feststellen, daß gerade Herr Universitätsprofessor
Graetz, den v. Gulat als Kronzeugen benannt hatte, sich auf
Seite 67, nach seiner Sitzung mit Willy Schneider, am 18. Februar 1923, außerordentlich
anerkennend äußert, den Wert der Versuche betont, alle direkten
oder indirekten Einwirkungen durch Dritte oder durch Hilfsmaßnahmen ausschließt
und nach Schilderung des Erlebten wörtlich erklärt: „Ich habe vergeblich
nach irgend einer Möglichkeit gesucht, wie die Erscheinungen unter diesen
Bedingungen künstlich oder betrügerisch hervorgerufen werden können. Da ich
nichts derartiges finden kann, muß ich bis zu dem Beweis des Gegenteils
die Erscheinungen für echte telekinetische halten
(durch v. Schrenck gesperrt), so sehr das auch allen bisherigen Erfahrungen
widerspricht".

Wie hätte solch einziger Satz dieses berühmten Physikers aufhorchen
lassen, wie schnell wäre die ganze so seicht aufgebaute Argumentation des
Münchener Arztes in sich zusammengebrochen!

Statt dessen erklärte Herr Kröner, er wolle einige sogenannte Standardphänomene
schildern, die er selbst erlebt habe, sprach von starken Klopftönen,
von gewaltigen Tischerhebungen und Kraftäußerungen in privaten Zirkeln,
sprach von den Verdiensten Grunewalds und seinen mechanischen Registrierapparaten
, von den magnetischen Kraftfeldern an der Hand eines seiner bekann-


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