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Zeitschrift für Parapsychologie. Heft 9. (September 1933.)
haltbar ist. Es müßte denn sein, daß man die Trancemanifestationen als direkte
Inspiration auffassen sollte. Ich denke dabei z. B. an Swedenborg und Lorbeer.
Dann müßte aber auch in den mediumistischen Sitzungen das Göttliche strömen
oder wenigstens stark zu spüren sein. Wie aus meinen Schilderungen hervorgeht
, hatie ich aber selbst nicht diesen Eindruck. Wie dem auch sei, an diesen
Problemen kann die Menschheit nicht vorübergehen. Es kommt auf nichts
mehr oder weniger heraus, als auf eine der größten Revolutionen, die die
Kirche je erlebt hat. Aber so gedankenlos weiter leben oder cfcas Unbequeme
von sich abschieben, das dürfte niemand, der innerlich aufrichtig der Erkenntnis
und dem religiösen Leben gegenübersteht, verantworten können82).
Die religiösen Grundlagen der alten Welt mußten fallen, weil sie durch
die fortschreitende wissenschaftliche Erkenntnis rationalisiert worden waren.
Sie können aber nur im Irrationalen, der rationalistischen Kritik
Unzugänglichen wurzeln. Ist es nicht vielleicht die Parapsychologie,
82) Der evangelische Theologe Prof. Entz-Wien hat mutig dieses Problem
angepackt. Er versucht in einem in dieser Ztschr. 1932, S. 496 veröffentlichten
Aufsatz „Das Problem des biblischen Wunders im Lichte der mediumistischen
Forschung" die von mir als unvereinbar empfundenen Gegensätze zu überbrücken
. Für mich sind seine Darlegungen doch nicht überzeugend. Es würde zu
weit führen, wenn ich darauf näher eingehen würde. Mir scheint jedoch, daß auf
rationalistischem Wege diese Unstimmigkeiten (vgl. dazu auch meine Ausführungen
in ds. Ztschr. 1926, S. 296) nicht zu beseitigen sind, man vielmehr an
religiöse Probleme vom esoterischen Standpunkt aus, wie es Endres tut (siehe
oben Fußn. 66) oder, wie er sagt, vom „magischen Weltbilde" aus herantreten
kann. Endres hat übrigens in Konsequenz dieser Einstellung ei« sehr lesenswertes
Büchlein 1932 erscheinen lassen: „Wege zum Glück." Ganz auf dieser
Linie bewegt sich Dr. R. Bernoulli in seiner Besprechung des Buches von
J. W. Hauer „Der Joga als Heilsweg. Nach indischen Quellen dargestellt", im
Aprilheft S. 190 ds. Zeitschr. 1933.
Nachschrift während der Korrektur (Juli, 10, 1933). Schon früher hat Prof.
R. Hoffmann, Wien, das Problem der biblischen Wunder behandelt. Seine Auffassung
nähert sich jedoch der spiritistischen. Vergl. Hoff mann, „Das Geheimnis
der Auferstehung Jesu", Verlag, Mutze 1921, ferner „Parapsychisches bei
Apostel Paulus", d. Ztschr. 1928, S. 91. Nach freundl. brieflicher Mitteilung erscheint
demnächst eine erweiterte Darlegung vom Verf. über Paulus und seine
parapsychischen Erfahrungen in der von Beth herausgegebenen Ztschr. für Religionsphilosophie
.
Ss treten einem doch im Leben auf diesem Wege liegende Dinge gegenüber
, die wie aus einer anderen unbegreiflichen unheimlichen Welt zu kommen
scheinen, die auch dem schärfsten menschlichen Verstände absolut nicht liegen.
Man denke an Mystik und Extase, wie sie z. B. von Matthiessen im „Jenseitigen
Menschen" geschildert und analysiert werden. Ferner im Ausdrucksgebiet der
Künste, in erster Linie der Musik, die der Worte entbehren kann. Man denke an
die katholische Kirchenmusik, an die Oratorien der großen Komponisten, an die
letzten Quartette von Beethoven und seine Symphonien, besonders die neunte,
und nicht zum mindesten an Bruckner, dessen unvollendete neunte ganz besonders
jenseitig anmutet. Schon die "ersten Takte bis zum gewältigen Aufschrei
atmen trotz ihrer einfachen Struktur tiberirdische Welt. Und erst wenn man fns
Mediumistische hinübergeht: die Rätsel von Prevorst und Konnersreuth. Das
Verständnis für die gewaltige Wirkung des Auftretens Christi und der ReBgions-
stifter vermittelt uns, wenn auch nicht ausreichend, Heuze in seinem Buch „Die
großen Eingeweihten". Wie aber dem auch sei, das eine ist klar, daß der Zugang
zu diesen eigenartigen übergewaltigen Dingen am leichtesten von der
Parapsychologie aus zu finden ist. Sie hilft auch, ihnen innerlich, wenn man will
sogar über den Umweg der ratio, nahe zu kommen.
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