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Das Markgräflerland: Beiträge zu seiner Geschichte und Kultur
37.1975, Heft 3/4.1975
Seite: 322
(PDF, 36 MB)
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http://dl.ub.uni-freiburg.de/diglit/mgl-1975-03-04/0180
Dem widerspricht die Herkunftsbezeichnung „Alsazia" durchaus nicht, da der
Begriff damals regional recht weit gefaßt wurde, man denke an Merian's Topo-
graphia Alsatiae. Es kann darüber hinaus vermutet werden, daß durch die Verwandtschaft
der Familie Medici mit dem Haus Habsburg die Steine über die
Regierung in Ensisheim beschafft wurden und daher auch im strengeren Sinne aus
dem Elsaß nach Florenz gekommen sind. In der ehrwürdigen Sammlung der
Accademia dei Fisiocritici in Siena, in welcher zahlreiche Proben von Gelberden,
Roterden und Jaspissen aus der Toscana und Umbrien liegen, konnte ich keinen
Jaspis finden, welcher dem Diaspro d'Alsazia von Florenz entspräche.

Der Bohnerz-Jaspis stammt letzten Endes aus den Jurakalken des Oberoxford
(am Isteiner Klotz Splitterkalke). Die Knollen wurden dann bei der festländischen
Abtragung (Denudation) der Kalklandterrasse des damals hier vorhandenen
Schichttafellandes zusammen mit roten Verwitterungserden (Rückstandsbildungen)
entweder in vorhandene Hohlformen dieser Karstlandschaft oder aber hinaus in
deren nördliches Vorland vor der Malmschichtstufe gespült (Wittmann 1955).
Dabei wurden sie abgerollt, häufig auch zertrümmert. Heute liegen die Knollen
und Scherben auf zweiter Lagerstätte, mitunter angereichert, in den siallitischen,
quarzreichen Kaolintonen (Bohnerzton). Mobile Eisensalzlösungen haben die
ursprünglich grauweiß gezeichneten bis gebänderten Jaspisknollen rot verfärbt.
„Außen sind sie grau bis grauweiß, innen sdimutzig oliv, tiefer rot bis kirschrot,
manchmal gleichmäßig rot, häufiger rotgelbweiß gebändert, wobei die konzentrisch
angeordneten Bänder mehr oder weniger der Oberfläche gleichlaufen. Mitunter
durchgreift die Rotfärbung nicht den ganzen Knollen, dann umschließt eine braungelbe
Hülle einen roten Kern" (Wittmann 1955, S. 271).

Einen Florenzfahrer aus dem Markgräflerland mag es berühren, zu wissen,
daß in den Inkrustationen und Intarsien der Medici-KapeUe (Steine seit 1568
gesammelt, 1613 mit der Arbeit begonnen) und des Hauptaltars in San Lorenzo,
in den Einlegearbeiten der Tischplatten, Schränke und Kästchen in den Palazzi
Pitti (Argenteria), Vecchio und in den Uffizien, also unter den vielen weltweit
erworbenen kostbaren Steinen auch der heimische Bohnerz-Jaspis aus dem Markgräflerland
vertreten ist. Ihn im einzelnen im fertigen Werkstück unter den roten
Steinen auszumachen, ist allerdings nicht leicht, da auch rote Jaspisse aus der
Toscana und Umbrien, sowie Karneole unterschiedlicher Herkunft verarbeitet
sind.

Literatur:

Fischer, W. (1968): Die Technik des Steinmosaiks (Pietradura-Arbeit). Der Aufschluß
1968, S. 249—255.

Kauffmann, G. (1962): Florenz. Reclams Kunstführer, Italien, Bd. 3 (Univ. Bibl. Nr.

8801—15, S. 339—340).
Weigelt, H. (1931): Florentiner Mosaik in Halbedelsteinen (Comesso in pietre dure).

Belvedere 10. S. 166—177.
Wittmann, O. (1955): Bohnerz und präeozäne Landoberfläche im Markgräflerland.

Jahresh. geol. Landesamt Baden-Württemberg 1. S. 267—299.

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